{"id":68,"date":"2021-03-26T10:44:42","date_gmt":"2021-03-26T10:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=68"},"modified":"2021-03-26T10:44:42","modified_gmt":"2021-03-26T10:44:42","slug":"die-seligpreisungen-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2021\/03\/26\/die-seligpreisungen-iii\/","title":{"rendered":"Die Seligpreisungen III"},"content":{"rendered":"\n<p>Matth\u00e4us 5, 5<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Gl\u00fccklich zu preisen sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden die Erde als Besitz erhalten.<\/em><\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong><em><\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das griechische Wort f\u00fcr \u201csanftm\u00fctig\u201d kann auch mit \u201cfreundlich\u201d oder \u201cmilde\u201d \u00fcbersetzt werden. Sanftm\u00fctig ist ein Ausdruck, der in unserem Sprachgebrauch fast nicht (mehr) vorkommt. Zu fragen w\u00e4re, ob das auch f\u00fcr die dahinter stehende Haltung oder Wesensart gilt. Wie k\u00f6nnen wir sie genauer beschreiben? &#8211; Um ihr n\u00e4her auf die Spur zu kommen, ist es auch hier hilfreich, die Bezugspunkte zum Alten Testament beizuziehen. Da w\u00e4re vor allem Psalm 37, 11 zu nennen, an den direkt angespielt ist: \u201cAber die Sanftm\u00fctigen werden das Land besitzen und werden ihre Lust haben an F\u00fclle von Heil\u201d. So \u00fcbersetzt die Elberfelder Bibel und verwendet denselben deutschen Begriff wie die oben zitierte \u00dcbersetzung der dritten Seligpreisung. Anders jedoch Luther an der gleichen Stelle:\u201cdie Elenden\u201d, Z\u00fcrcher: \u201cdie Gebeugten\u201d oder die Gute Nachricht Bibel: \u201cdie Armen\u201d. Daraus l\u00e4sst sich schon schliessen, dass der hebr\u00e4ische Begriff in Psalm 37, 11 vermutlich nicht einfach eine Haltung grossz\u00fcgiger, g\u00f6nnerhafter Milde bezeichnet. Und tats\u00e4chlich geht es im ganzen Psalm 37 um die Armen, Elenden, Gebeugten, aber auch Gerechten, Getreuen, Aufrichtigen und Friedfertigen, die durchg\u00e4ngig im Gegensatz zu den Frevlern, Abtr\u00fcnnigen und Gewaltt\u00e4tigen stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Hilfe f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis dieser Sanftmut sind zwei weitere Vorkommen bei Matth\u00e4us, an denen der Begriff auf Jesus selbst bezogen wird. Zuerst die bekannte Stelle aus Matth\u00e4us 11,29: \u201cNehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig\u201d (Luther). \u201cSanftm\u00fctig\u201d geh\u00f6rt also in die N\u00e4he von \u201cdem\u00fctig\u201d. Das unterstreicht auch Matth\u00e4us 21, 5, wiederum ein Zitat aus dem Alten Testament, im Zusammenhang mit dem Einzug von Jesus in Jerusalem. Da reitet er nicht auf einem prunkvoll herausgeputzten edlen Pferd, auch nicht auf einem einger\u00fcsteten Schlachtross, sondern auf einem Esel in die Stadt ein als Ausdruck seiner Gewaltlosigkeit, seiner Demut und seiner Sendung als Friedensk\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit k\u00f6nnen wir unter den \u201cSanftm\u00fctigen\u201d in Matth\u00e4us 5,5 &nbsp;Menschen verstehen, die dem\u00fctig sind, sich dazu freundlich zeigen, oder wie die Gute Nachricht Bibel konkreter umschreibt: \u201c&#8230;die unterdr\u00fcckt sind und auf Gewalt verzichten\u201d also \u201cnicht die sich huldvoll herablassenden Gro\u00dfen, sondern die ohnm\u00e4chtigen Kleinen: die nicht verbittern\u201d. <sup>1)<\/sup><sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Den in dieser Art Sanftm\u00fctigen wird verheissen, dass sie \u201cdas Land erben\u201d (Z\u00fcrcher; Elberfelder) oder \u201cdie Erde besitzen\u201d werden (diverse andere \u00dcbersetzungen). Was gilt nun, Land oder Erde? &#8211; Sicher kn\u00fcpft dieser Nachsatz an die traditionelle Landverheissung f\u00fcr Israel an und hatte f\u00fcr die damals in diesem Land durch die r\u00f6mischen Besatzer Unterdr\u00fcckten einen besonders hoffnungsvollen Klang. Aber ich denke, diese Landverheissung wird hier \u201c\u00fcberstiegen\u201d. Das griechische Wort, das verwendet wird, kann sowohl \u201cLand\u201d wie \u201cErde\u201d bedeuten. In Matth\u00e4us 28, 18, am Schluss des Evangeliums, sagt der auferstandene Jesus Christus: \u201cMir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden\u201d, d.h. im Blick ist bei ihm nicht mehr nur ein begrenztes Land Israel, sondern die ganze Erde, die neu werden soll. Somit sehe ich die Verheissung dieser Seligpreisung weder nur auf eine begrenzte Gegend, aber auch nicht einfach auf ein jenseitiges Paradies bezogen. Sie hat einen Bezug zu dieser Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant sind dazu die Ausf\u00fchrungen von D. Martyn Lloyd-Jones in seiner Predigt zur dritten Seligpreisung. Er versteht dieses \u201cLand erben\u201d doppelt. Einerseits auf die Gegenwart bezogen, so, dass wahrhaft sanftm\u00fctige Menschen immer auch befriedigte, zufriedene Menschen sind und in gewisser Weise diese Erde besitzen, n\u00e4mlich gem\u00e4ss der Charakterisierung durch den Apostel Paulus \u201c&#8230; als die nichts haben und doch alles haben\u201d (2. Korinther 6, 10). Oder im Sinne von 1. Korinther 3, 21-23: \u201cSo r\u00fchme sich denn niemand (im Blick auf) Menschen, denn alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenw\u00e4rtiges oder Zuk\u00fcnftiges; alles ist euer,ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.\u201d (Elberfelder Bibel). Daneben sieht Lloyd-Jones in dieser Seligpreisung eine zuk\u00fcnftige Dimension. Sie orientiert sich an der Verheissung, dass Christen als \u201cKinder Gottes\u201d auch Erben sind. (vgl. z.B. R\u00f6mer 8, 16-17).<sup>2)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>1)<\/sup> Wengst, a.a.O., S. 43<br><sup>2)<\/sup>D. Martyn Lloyd-Jones, Bergpredigt. Ich aber sage euch&#8230;, Predigten \u00fcber Matth\u00e4us 5, 3-48; Friedberg, 2002; S. 86f<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 5, 5 Gl\u00fccklich zu preisen sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden die Erde als Besitz erhalten. Das griechische Wort f\u00fcr \u201csanftm\u00fctig\u201d kann auch mit \u201cfreundlich\u201d oder \u201cmilde\u201d \u00fcbersetzt werden. Sanftm\u00fctig ist ein Ausdruck, der in unserem Sprachgebrauch fast nicht (mehr) vorkommt. 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