{"id":5,"date":"2021-02-17T21:14:51","date_gmt":"2021-02-17T21:14:51","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=5"},"modified":"2021-02-19T16:16:59","modified_gmt":"2021-02-19T16:16:59","slug":"einleitung-angabe-des-settings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2021\/02\/17\/einleitung-angabe-des-settings\/","title":{"rendered":"Einleitung &#8211; Angabe des Settings"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ohne n\u00e4here Angaben werden die Bibelstellen aus der Z\u00fcrcher Bibel zitiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us 5, 1<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Als er nun die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine J\u00fcnger zu ihm.<\/em><\/strong><\/em><\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einleitung zur Rede von Jesus schliesst an den letzten Abschnitt von Kapitel an (4, 23-24). Dieser bildet mit 9, 35 den Rahmen um die Bergpredigt. In Vers 25 wird erw\u00e4hnt, dass zahlreiche Menschen aus verschiedenen Gegenden Jesus folgten. Wie viele es genau waren, l\u00e4sst sich aber heute nicht mehr sagen. Jesus bemerkt diese Menschenmenge &#8211; und steigt alsdann auf den Berg. Aus der Formulierung des ersten Versteils wird nicht sofort klar, in welcher Beziehung Jesus zu diesen Leuten steht. Will er sich vor ihnen zur\u00fcckziehen, um etwas Ruhe zu haben (vgl. 14, 13), oder sucht er einen g\u00fcnstigen Ort, um zu ihnen zu sprechen. Der Abschluss der Bergpredigt (7, 28) zeigt auf jeden Fall, dass Jesus die Menge nicht zur\u00fcckgelassen hat, sondern dass sie seine Rede hat mitverfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Feststellung ist nicht unwichtig, wenn es um die Frage geht, an wen sich die Bergpredigt denn richte. Gilt sie nur den J\u00fcngern, von denen gleich anschliessend berichtet wird, dass sie zu Jesus hinzugetreten seien? Ist die Bergpredigt J\u00fcngerlehre, die in der Folge nur der christlichen Gemeinde gilt und nicht \u00fcber sie hinaus verallgemeinert werden darf, weil sie alle andern \u00fcberfordern w\u00fcrde? Ist die Volksmenge nur da, um ein wenig mitzuh\u00f6ren, was Jesus denen zumutet, die ihm nachfolgen wollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Oder muss man sich, ausgehend von der geschilderten Anordnung auf jenem Berg, die Zuh\u00f6rerschaft als \u201czwei gleichsam konzentrische H\u00f6rerkreise\u201d <sup>1) <\/sup>vorstellen: Im inneren, n\u00e4heren Kreis die J\u00fcnger, zuerst angesprochen, aussen das Volk, das aber auch mitgemeint ist, oder wie Klaus Wengst formuliert: \u201cDie &nbsp;Sch\u00fcler als die ersten Adressaten, transparent f\u00fcr die Gemeinde, sind diejenigen, die sich der Herrschaft Jesu jetzt schon unterstellen und sich deshalb &nbsp;an seinem Regierungsprogramm orientieren und es umzusetzen suchen. Aber sie bilden keinen in sich geschlossenen Zirkel. Auch die Volksmengen sind &nbsp;als H\u00f6rende vorgestellt.\u201d <sup>2)<\/sup>&nbsp;Und zu diesen geh\u00f6rt, wenn man gem\u00e4ss 4, 25 die Herkunft der Menschenmassen analysiert, zumindest andeutungsweise \u00fcber Israel hinaus die ganze Welt. Mir leuchtet diese zweite Auffassung mehr ein als die erstgenannte. Die Bergpredigt w\u00e4re dann so etwas wie ein Fenster, das allen Menschen Einblick gew\u00e4hrt, wie es im Reich Gottes zu und hergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Berg, auf dem Jesus seine Rede hielt, wird nicht n\u00e4her bestimmt. Immerhin heisst es w\u00f6rtlich im griechischen Text nicht, Jesus sei auf \u201ceinen Berg\u201d gestiegen, wie teilweise \u00fcbersetzt wird [Luther, Gute Nachricht, Neue Genfer \u00dcbersetzung (NG\u00dc)], sondern, auf \u201cden Berg\u201d. Vielleicht wussten die ersten, welche das Matth\u00e4usevangelium lasen, noch genau, welcher Berg gemeint war. Heute wird eine Erhebung am Nordende des Sees Genezareth als \u201cBerg der Seligpreisungen\u201d und damit der Bergpredigt angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Ausleger, die mit diesem Berg als Ort der Verk\u00fcndigung Anspielungen an den Berg Sinai verkn\u00fcpfen, auf den Mose hinaufgestiegen ist, um von Gott seine Weisungen f\u00fcr das Volk Israel zu empfangen, oder jedenfalls eine Anspielung auf eine enge Verbundenheit des Lehrenden mit Gott. Interessant ist immerhin, dass Matth\u00e4us noch eine weitere wichtige Rede von Jesus erw\u00e4hnt, die dieser auf einem Berg gehalten hat (24, 3), dort ausdr\u00fccklich nur f\u00fcr den J\u00fcngerkreis.<\/p>\n\n\n\n<p>An beiden Stellen f\u00e4llt auf, dass Jesus sich f\u00fcr die Rede setzte und die J\u00fcnger zu ihm hintraten und offenbar standen, also gerade umgekehrt zu unseren Gepflogenheiten. Susanne Schmid erkl\u00e4rt mit einem weiteren Verweis (Lukas 4, 20), dass wer damals einen \u00f6ffentlichen Lehrvortrag hielt, sich dazu immer hingesetzt habe<sup>3)<\/sup>. Allerdings gibt es durchaus auch Beispiele von Reden, die stehend gehalten wurden (z.B. Apg. 1, 15; 5, 34) Aber mit dem Sitzen an unserer Stelle wird sicher die besondere W\u00fcrde von Jesus betont. Diese Ehre kam in der Antike Herrschern, Richtern und Lehrern zu &#8211; \u00c4mter, die alle auch auf Jesus zutreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sich Jesus niedergelassen hat, treten seine J\u00fcnger zu ihm. Die Szenerie wirkt auch aus der Ferne noch feierlich, und man ist gespannt, was jetzt wohl geschieht. Doch bevor die Rede beginnt, noch ein paar Gedanken zum Verh\u00e4ltnis von Jesus und diesen ihm nahestehenden, von den meisten Bibel\u00fcbersetzung als \u201cJ\u00fcnger\u201d bezeichneten Menschen. Zutreffender w\u00e4re wohl der Begriff \u201cSch\u00fcler\u201d und entsprechend f\u00fcr Jesus dann \u201cLehrer\u201d, denn in diesem Verh\u00e4ltnis standen sie zueinander. Diese zw\u00f6lf von ihm berufenen M\u00e4nner waren Lernende. Es hat, nebenbei, also durchaus seine Berechtigung, wenn im Chorfenster der Weininger Kirche der lehrende Jesus abgebildet wird. Das Lehren war eine seiner wichtigen T\u00e4tigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun also f\u00e4ngt er damit an<\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us 5, 2<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie:<\/em><\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong><em><\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mir scheint es \u00fcberinterpretiert, wenn man daraus ableiten will, dass Jesus besonders laut und deutlich gesprochen habe, damit alle ihn verstehen konnten. Auch die Interpretation von Susanne Schmid, es sei hier gemeint, dass Jesus <em>seinen<\/em>\u00a0Mund aufgetan habe, das heisst, aus eigener Autorit\u00e4t bzw. als Bevollm\u00e4chtigter von Gott gelehrt habe und nicht wie die Schriftgelehrten nur die Meinung eines ihrer Lehrer wiedergegeben habe, finde ich zu weit hergeholt. Meiner Ansicht nach handelt es sich einfach eine an hebr\u00e4ische Ausdrucksweise angelehnte Wendung f\u00fcr \u201cEr fing an zu reden\u201d (vgl. Hiob 3, 1; Dan. 10, 16)<\/p>\n\n\n\n<p><sup>1)<\/sup>Luz Ulrich, Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, 1\/1, Das Evangelium nach Matth\u00e4us, Z\u00fcrich\/Einsiedeln\/K\u00f6ln, 1985, S. 197<br><sup>2)<\/sup>Wengst, Klaus. Das Regierungsprogramm des Himmelreichs: Eine Auslegung der Bergpredigt in ihrem j\u00fcdischen Kontext, S.31. Stuttgart 2019<sup>2<\/sup>, Kindle-Version. \u00a0<br><sup>3)<\/sup>Schmid-Grether, Susanne. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Kindle-Version.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne n\u00e4here Angaben werden die Bibelstellen aus der Z\u00fcrcher Bibel zitiert. Matth\u00e4us 5, 1 Als er nun die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine J\u00fcnger zu ihm.&nbsp; Die Einleitung zur Rede von Jesus schliesst an den letzten Abschnitt von Kapitel an (4, 23-24). 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