{"id":167,"date":"2022-09-24T18:44:34","date_gmt":"2022-09-24T18:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=167"},"modified":"2022-09-24T18:56:27","modified_gmt":"2022-09-24T18:56:27","slug":"die-erste-antithese-wo-das-morden-anfaengt-und-wie-man-es-verhindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2022\/09\/24\/die-erste-antithese-wo-das-morden-anfaengt-und-wie-man-es-verhindert\/","title":{"rendered":"Die erste \u201cAntithese\u201d- Wo das Morden anf\u00e4ngt, und wie man es verhindert."},"content":{"rendered":"\n<p>Matth\u00e4us 5, 21-22<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass zu den Vorfahren gesagt worden ist: \u203aDu sollst keinen Mord begehen! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden. \u2039Ich aber sage euch: Jeder, der auf seinen Bruder zornig ist, geh\u00f6rt vor Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: \u203aDu Dummkopf\u2039, der geh\u00f6rt vor den Hohen Rat. Und wer zu ihm sagt: \u203aDu Idiot\u2039, der geh\u00f6rt ins Feuer der H\u00f6lle.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201cIhr habt geh\u00f6rt, dass &#8230; gesagt worden ist\u201d Neuere Bibel\u00fcbersetzungen, die sich um eine verst\u00e4ndliche Sprache bem\u00fchen, vereinfachen gerne: \u201cIhr wisst, dass&#8230;\u201d Aber mir scheint, das \u201cgesagt\u201d und auf der anderen Seite \u201cgeh\u00f6rt\u201d bringt doch noch einen gewissen Akzent ins Spiel. Das Wort, das Gott sagt, muss auch immer wieder weitergegeben, neu gesagt und erkl\u00e4rt und von Empf\u00e4ngerseite geh\u00f6rt und angenommen werden. Mit den Vorfahren ist die Generation gemeint, die am Sinai die zehn Gebote erhalten hat. Eines davon wird hier nun von Jesus zitiert, das T\u00f6tungsverbot (vgl. 2. Mose 20, 13 und 5. Mose 5, 17). Die Fortsetzung: \u201cWer einen Mord begeht&#8230;\u201d ist nicht direktes Zitat aus dem Alten Testament, sondern eine Zusammenfassung verschiedener Stellen, die auf Mord die Todesstrafe festsetzen. Diese wird durch das Gericht verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Antithese &#8211; oder nennen wir es vielleicht besser: Versch\u00e4rfung der alttestamentlichen Bestimmungen &#8211; ist dreigliedrig aufgebaut. Bei der ersten ist die Bestimmung im Nachsatz die gleiche: \u201c&#8230; geh\u00f6rt vor Gericht\u201d. Das gilt aber jetzt in der Versch\u00e4rfung durch Jesus nicht erst f\u00fcr einen ausgef\u00fchrten Mord, sondern bereits f\u00fcr jeden \u201c&#8230; der auf seinen Bruder zornig ist\u201d Bruder (und Schwester) haben die ersten Leser und Leserinnen des Matth\u00e4usevangeliums vielleicht zuerst an die Glaubensgeschwister gedacht, aber mir scheint die Bemerkung von Wengst, der in dem Ausdruck hier eine Tendenz zu einem weiteren Verst\u00e4ndnis sieht, richtig. Er \u00fcbersetzt folglich: \u201cMitmensch\u201d.<sup>1)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Der im n\u00e4chsten Glied folgende Ausdruck, oben mit der Neuen Genfer \u00dcbersetzung mit \u201cDummkopf\u201d wiedergegeben, m\u00fcsste vielleicht noch genauer mit \u201cHohlkopf\u201d \u00fcbersetzt werden. Es ist ein Schimpfwort, aber kein allzu starkes, eher eines, das Geringsch\u00e4tzung oder Verachtung ausdr\u00fcckt und offenbar gegen\u00fcber Dienstboten gelegentlich gebraucht wurde. Das im dritten Vordersatz angef\u00fchrte Schimpfwort war gebr\u00e4uchlich und hat eine \u00e4hnliche Grundbedeutung, also etwa \u201cdumm\u201d, \u201ct\u00f6richt\u201d, \u201ceinf\u00e4ltig\u201d oder als Substantiv wie oben \u201cIdiot\u201d oder \u201cT\u00f6lpel\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft diskutiert wird die Frage, ob die drei Satzglieder ihrerseits nochmals eine Steigerung oder Versch\u00e4rfung beinhalten. Obwohl ich mich in antiken Schimpfw\u00f6rtern nicht wirklich auskenne, scheint mir so eine Steigerung mindestens f\u00fcr die Vorders\u00e4tze kaum vorzuliegen, jedoch durchaus f\u00fcr die Nachs\u00e4tze. Da ist zuerst einfach vom Gericht oder Gerichtsurteil die Rede, im zweiten Nachsatz vom Sanhedrin, dem Hohen Rat, der obersten j\u00fcdischen Gerichtsinstanz, im dritten dann vom Feuer der H\u00f6lle, was doch dem Ergebnis eines Gerichtsurteils vor Gott entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus betrat mit dieser seiner Auslegung nicht g\u00e4nzlich Neuland. Es gab in j\u00fcdischen Texten durchaus Ankl\u00e4nge, etwa einen Satz von Rabbi Elieser ben Hyrkanos: \u201cWer seinen Mitmenschen hasst, siehe, der geh\u00f6rt zu denen, die Blut vergiessen.\u201d Aber sicher hat Jesus die Wahrheit, dass das T\u00f6ten nicht erst beginnt, wenn jemand das Gewehr anlegt und abzieht, mit gr\u00f6sserer Sch\u00e4rfe auf den Punkt gebracht. (vgl. dazu Markus 7, 21-23).<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Aussage von Jesus ernst &#8211; und ich w\u00fcsste nicht, was dagegen sprechen sollte &#8211; dann lautet die Konsequenz aber, dass letztlich jeder Mensch an diesem Gebot schuldig geworden ist bzw. es in seinem Leben wird. Denn wer k\u00f6nnte von sich sagen, noch nie einen Mitmenschen in der erw\u00e4hnten Art beschimpft zu haben oder wenigstens \u00fcber ihn zornig geworden zu sein. Oder wie es der Apostel Paulus dann kurz und pr\u00e4gnant formuliert: \u201cDa ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.\u201d (R\u00f6mer 3, 10) Schon die Anfangskapitel des Matth\u00e4usevangeliums f\u00fchren uns unsere Erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit vor Augen. Die n\u00e4chsten Verse zeigen dann aber auch einen Weg auf, wie wir unsere Beziehungen zu Mitmenschen gut gestalten bzw. wieder herstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 5, 21-22 Ihr habt geh\u00f6rt, dass zu den Vorfahren gesagt worden ist: \u203aDu sollst keinen Mord begehen! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden. \u2039Ich aber sage euch: Jeder, der auf seinen Bruder zornig ist, geh\u00f6rt vor Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: \u203aDu Dummkopf\u2039, der geh\u00f6rt vor den Hohen Rat. 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