{"id":162,"date":"2022-04-23T20:21:16","date_gmt":"2022-04-23T20:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=162"},"modified":"2022-04-23T20:24:30","modified_gmt":"2022-04-23T20:24:30","slug":"die-so-genannten-antithesen-matthaeus-5-21-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2022\/04\/23\/die-so-genannten-antithesen-matthaeus-5-21-48\/","title":{"rendered":"Die so genannten Antithesen \u00a0Matth\u00e4us 5, 21-48"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vorbemerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ab Vers 21 bis Kapitelsende Vers 48 folgen sechs Abschnitte, in denen Jesus sich zu Gesetzesvorschriften aus dem Alten Testament \u00e4ussert. Sie werden h\u00e4ufig als \u201cAntithesen\u201d bezeichnet, weil sie mit den Worten: \u201c&#8230; ich aber sage euch&#8230;\u201d eingeleitet werden. Aber sind es denn \u00fcberhaupt wirkliche Antithesen? &#8211; Eine knifflige Frage, die unterschiedlich beantwortet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Susanne Schmid geht vom einleitenden Satz aus: \u201cIhr habt geh\u00f6rt, dass zu den Alten gesagt ist\u201d (V. 21a). Sie versteht ihn so, dass Jesus damit auf die m\u00fcndliche \u00dcberlieferung, nicht auf die schriftliche Torah (die Bibel) Bezug nehme. \u201cIhr habt geh\u00f6rt\u201d bedeute in der Gelehrtensprache jener Zeit soviel wie: \u201cIhr habt als Tradition empfangen\u201d. Weiter bedeute: \u201cEs ist gesagt worden\u201d ebenfalls soviel wie: \u201cEs ist als Tradition gelehrt worden\u201d. Das Besondere und Unerh\u00f6rte an der Rede Jesu sei nun, dass er mit dem: \u201cIch aber sage euch\u201d in eigener Autorit\u00e4t lehre und sich nicht auf andere Gelehrte berufe und somit seinen J\u00fcngern eine eigene, neue Auslegung des biblischen Wortes gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bezug des \u201cIhr habt geh\u00f6rt\u201d auf die Tradition sieht sich aber mit dem Problem konfrontiert, dass zumindest in der zweiten (ehebrechen) und in der f\u00fcnften (Auge um Auge) Antithese direkt aus dem Alten Testament zitiert und nicht Gelehrteninterpretation referiert wird. Das \u201cIhr habt geh\u00f6rt\u201d kann durchaus allgemeiner und muss nicht zwangsl\u00e4ufig als \u201cFachausdrucks verstanden werden. Also etwa im Sinne von: \u201cMan hat euch &#8211; z.B. in der Synagoge &#8211; &nbsp;gelehrt, dass&#8230;\u201d Weiter ist die formelhafte Wendung \u201cEs ist gesagt worden\u201d in ihrer charakteristischen Passivformulierung wohl eher auf Gott selber zu beziehen als auf die Tradition: Gott selber hat zu den Alten, d.h. zu den Menschen der Sinaigeneration, gesagt&#8230; Dieser Passivwendung &#8211; und nicht etwa dem \u201cIhr habt geh\u00f6rt\u201d &#8211; &nbsp;steht das \u201cIch aber sage euch\u201d gegen\u00fcber. Das w\u00fcrde insgesamt dann aber bedeuten, dass Jesus seine Worte dem Alten Testament selber gegen\u00fcber stellt und nicht bloss dessen Auslegung durch (andere) Gelehrte. So versteht es jedenfalls Luz.<sup>1)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Noch etwas weiter als Schmid geht Wengst. Wortreich und etwas gar weit hergeholt versucht er zu zeigen, dass das \u201cIch aber sage euch\u201d an dieser Stelle zwar vom Wortlaut her nicht falsch, aber doch unpassend \u00fcbersetzt sei. Weder sei das Ich von Jesus betont, noch ein Gegensatz zu den zitierten Worten beabsichtigt, vielmehr m\u00fcsse man es als: \u201cUnd ich sage\u201d verstehen, im Sinne von: \u201cIch lege das so aus\u201d<sup>2) <\/sup>&nbsp;(\u00e4hnlich \u00fcbersetzt \u00fcbrigens die \u201cBibel in gerechter Sprache\u201d). Nicht zuletzt geht es Wengst darum, bei der Auslegung nicht in eine \u201cantij\u00fcdische Falle\u201d<sup>3) <\/sup>zu tappen. Wer das \u201cIch aber sage euch\u201d so verstehe, dass Jesus damit die eigentliche, urspr\u00fcngliche Bedeutung der Gebote herausstellen wolle, tappe eben in diese Falle, indem so die bisher erfolgte j\u00fcdische Auslegung zwangsl\u00e4ufig abgewertet werde.<sup>4) <\/sup>Andererseits w\u00e4re zu fragen, weshalb Matth\u00e4us, wenn er wirklich die Aussagen von Jesus in keiner Weise \u201cantithetisch\u201d h\u00e4tte darstellen wollte, das nicht sprachlich eindeutiger formuliert hat. Das Griechische h\u00e4tte ihm sicher M\u00f6glichkeiten dazu gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die oben skizzierte Auffassung von Luz wiederum w\u00e4re einzuwenden, dass sich in den Auslegungen von Jesus \u201cnichts\u201d findet, \u201cwas nicht auch in rabbinischer \u00dcberlieferung zu finden w\u00e4re oder stehen k\u00f6nnte.\u201d<sup>5) <\/sup>, was den Begriff Antithese fraglich macht. Etwas vorsichtiger r\u00e4umt Luz selber ein: \u201cUm so verbl\u00fcffender ist aber, dass mindestens einige Antithesen inhaltlich nichts enthalten, was in j\u00fcdischer \u00dcberlieferung nicht auch zu finden w\u00e4re.\u201d<sup>6)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Also doch keine \u201cAntithesen\u201d? &#8211; Auf jeden Fall eher eine \u00dcberbietung als eine Auslegung des Alten Testamentes, wie Luz selber formuliert.<sup>7) <\/sup>Zu beachten auch seine Bemerkung, dass es sowohl in der ersten wie in der letzten \u201cAntithese\u201d, also sozusagen dem Rahmen des ganzen Abschnittes, um die Liebe geht.<sup>8) <\/sup>Wieder einmal k\u00f6nnte sie, so wie sie durch Jesus in diese Welt gekommen ist, der Schl\u00fcssel sein &#8211; im Blick auf das, was er selber zu den Geboten sagt und damit auch im Blick auf die \u201cbessere Gerechtigkeit\u201d von Vers 20. Aber pr\u00fcfen wir die einzelnen Abschnitte darauf hin.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><sup>1)<\/sup> So Luz ausf\u00fchrlicher a.a.O., S. 248f<\/p>\n\n\n\n<p><sup>2) <\/sup>Wengst, a.a.O. S. 80<\/p>\n\n\n\n<p><sup>3)<\/sup>&nbsp;a.a.O. S. 81<\/p>\n\n\n\n<p><sup>4) <\/sup>a.a.O. S. 81<\/p>\n\n\n\n<p><sup>5) <\/sup>a.a.O. S. 80<\/p>\n\n\n\n<p><sup>6) <\/sup>a.a. O. S. 249<\/p>\n\n\n\n<p><sup>7) <\/sup>ebenfalls S. 249<\/p>\n\n\n\n<p><sup>8) <\/sup>a.a.O. S. 250<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkungen Ab Vers 21 bis Kapitelsende Vers 48 folgen sechs Abschnitte, in denen Jesus sich zu Gesetzesvorschriften aus dem Alten Testament \u00e4ussert. 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