{"id":153,"date":"2022-02-18T10:17:33","date_gmt":"2022-02-18T10:17:33","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=153"},"modified":"2022-02-18T14:18:56","modified_gmt":"2022-02-18T14:18:56","slug":"jesu-stellung-zum-gesetz-matthaeus-5-17-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2022\/02\/18\/jesu-stellung-zum-gesetz-matthaeus-5-17-20-2\/","title":{"rendered":"Jesu Stellung zum Gesetz, Matth\u00e4us 5, 17-20 II"},"content":{"rendered":"\n<p>Matth\u00e4us 5, 19<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wer also auch nur eines dieser Gebote aufl\u00f6st, und sei es das kleinste, und die Menschen so lehrt, der wird der Geringste sein im Himmelreich. Wer aber tut, was das Gebot verlangt, und so lehrt, der wird gross sein im Himmelreich.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar steht in diesem Vers im Griechischen am Anfang ein \u201ceinfacheres\u201d Verb als in V. 17 (der Unterschied l\u00e4sst sich im Deutschen ungef\u00e4hr mit \u201caufl\u00f6sen\u201d und \u201cl\u00f6sen\u201d wiedergeben), aber von der Bedeutung her besteht kein grosser Unterschied. Wahrscheinlich, so legt der zweite Versteil nahe, ist beides angesprochen: Das eigene \u00dcbertreten und das Ausserkraftsetzen in der Lehre. So versteht es auch die \u00dcbersetzung \u2018Neues Leben. Die Bibel\u2019: \u201cWenn ihr also das kleinste Gebot brecht und andere dazu ermuntert, dasselbe zu tun,&#8230;\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus ermahnt somit besonders diejenigen, welche \u00fcber Lehrbefugnisse verf\u00fcgen, auch nicht die als unbedeutend angesehenen Gebote f\u00fcr ung\u00fcltig zu erkl\u00e4ren. Die rabbinischen Lehrer haben unterschieden zwischen leichten und gewichtigen Geboten, je nachdem, was f\u00fcr ihre Erf\u00fcllung geleistet werden musste bzw. je nach Lohn, der f\u00fcr ihre Einhaltung verheissen war. F\u00fcr Jesus spielen solche Unterscheidungen im Endeffekt keine Rolle. Sogenannte kleine Gebote entsprechen den Jotas und H\u00e4kchen von V. 18, die nicht vergehen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es denn, wie dieser Vers nahelegt, Abstufungen, Hierarchien, Rangordnungen oder dergleichen im Himmel(reich)? &#8211; &nbsp;Es gab im damaligen Judentum solche Vorstellungen<sup>1)<\/sup>. Auch die Bitte der Mutter der Zebed\u00e4uss\u00f6hne, (20, 21), dass ihre S\u00f6hne zur Rechten und zur Linken von Jesus sitzen d\u00fcrfen im Reich Gottes, geht davon aus. Jesus antwortet, dass es nicht in seiner Kompetenz stehe, diese Bitte zu erf\u00fcllen, bestreitet aber nicht, dass es solche Ehrenpl\u00e4tze gibt. Vgl. auch 18, 1-4.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist die Aussage, dass wer die kleinen Gebote der Torah nicht befolgt, offenbar nicht aus dem Himmelreich ausgeschlossen werden soll, sondern dort einfach im untersten Rang platziert wird. Oder meint die Formulierung doch verklausuliert den Ausschluss, wie verschiedene Ausleger vermutet haben? Mir scheint die erste Deutung wahrscheinlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie auch immer, man sieht daraus, als wie bedeutsam im Matth\u00e4usevangelium die ganze Torah geachtet wird. Luz schreibt dazu: \u201cF\u00fcr Matth\u00e4us ist es &#8211; von Jesus her &#8211; prinzipell klar, dass \u201cRecht, Barmherzigkeit &nbsp;und Treue\u201d, also faktisch das Liebesgebot, das Hauptgebot ist und Gebote wie das des Verzehntens (23, 23) &#8230; Jotas und H\u00e4kchen. Das Liebesgebot steht im Zentrum; die Zeremonialgesetze sind zweitrangig. Aber sie sind auch Teile des Gesetzes, das Jesus im ganzen erf\u00fcllt.\u201d<sup>2)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Ausf\u00fchrlicher bei Luz, a.a.O. S. 238f<sup><\/sup><\/li><li>a.a.O., S. 240<sup><\/sup><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us 5, 20<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er nicht weit \u00fcbertrifft, werdet ihr nicht ins Himmelreich hineinkommen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vers 20 ist so etwas wie der Titel \u00fcber den ganzen folgenden Abschnitt, eine voranstehende Zusammenfassung der folgenden \u201cAntithesen\u201d, vergleichbar dem Lead eines heutigen journalistischen Textes.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anschluss an Vers 19 erfolgt mit einem \u201cDenn&#8230;\u201d. Das macht deutlich, dass die 17-19 erw\u00e4hnte Torah Bestandteil der Gerechtigkeit ist, von der nun die Rede ist. Es geht hier eindeutig um Gerechtigkeit, die der Mensch tut (vgl. 3, 15)<sup>1) <\/sup>Die Luther\u00fcbersetzung \u201cWenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist, &#8230;\u201d legt eine qualitative Unterscheidung nahe. Aber eigentlich geht es um eine quantitative Unterscheidung: \u201cWenn eure Gerechtigkeit nicht in messbar h\u00f6herem Mass reichlicher vorhanden ist als die der Schriftgelehrten&#8230;\u201d<sup>2) <\/sup>oder: \u201cWenn eure Gerechtigkeit &nbsp;nicht in gr\u00f6\u00dferem \u00dcberfluss vorhanden ist&#8230;\u201d<sup>3)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Gefragt ist also ein h\u00f6heres Mass an Toraherf\u00fcllung, ein Mehr an grossen und kleinen Geboten, die beachtet werden. Dazu geh\u00f6rt ein \u00dcbereinstimmen von Rede und Leben. In 23, 3 wird das Thema aufgegriffen. Jesus kritisiert die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er, weil bei ihnen Reden und Handeln nicht zusammenpassen: \u201cWas immer sie euch sagen, das tut und haltet! Nach dem, was sie tun, aber richtet euch nicht, sie reden nur, aber tun nicht danach.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich nun im Vorausblick auf die folgenden sogenannten \u201cAntithesen\u201d mit ihren Versch\u00e4rfungen der Gebote fragen, ob diese quasi einen neuen \u201cZaun um die Torah\u201d bilden sollen und damit helfen, die Gebote auch sicher einzuhalten. Ich zitiere dazu eine aus meiner Sicht wichtige Bemerkung von Luz: \u201cDas entscheidende ist vielmehr f\u00fcr Matth\u00e4us dies, dass das Liebesgebot zur Mitte dieser versch\u00e4rften Einzelgebote wird. &#8230; Von den Antithesen her bedeutete die bessere Gerechtigkeit der J\u00fcnger nicht nur eine &#8211; an der Tora gemessene &#8211; quantitative Steigerung der Gesetzeserf\u00fcllung, sondern vor allem eine &#8211; an der Liebe gemessene &#8211; qualitative Intensivierung des Lebens vor Gott.\u201d<sup>4) <\/sup><sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Luz, a.a.O., S. 240<sup><\/sup><\/li><li>Luz, a.a.O., S. 240<sup><\/sup><\/li><li>Wengst, a.a.O., S. 75<sup><\/sup><\/li><li>Luz, a.a.O., S. 241<sup><\/sup><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Aktualisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet dieser Abschnitt aber nun f\u00fcr unser Leben als Christenmenschen im 21. Jahrhundert?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden diese Verse nicht in der Bibel und dazu noch im Neuen Testament stehen, w\u00fcrden wir sie vielleicht schnell abtun mit der Begr\u00fcndung, es gehe dabei um \u201cWerkgerechtigkeit\u201d und diese sei nach dem Neuen Testament \u201c\u00fcberholt\u201d. Aber die Bergpredigt ist ja auch Neues Testament, und wir merken immer mehr, dass es den Widerspruch in der erw\u00e4hnten Art zwischen Gesetz und Gnade f\u00fcr Matth\u00e4us nicht gibt. \u201cF\u00fcr ihn geh\u00f6rt Gesetz zur Gnade &#8230; Darum ist es f\u00fcr ihn unm\u00f6glich, mit dem Geschenk des von Jesus erf\u00fcllten Gesetzes den Gedanken der Werkgerechtigkeit zu verbinden.\u201d<sup>1)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie ist es mit den \u201cspezifisch j\u00fcdischen Anteilen\u201d in diesem Gesetz? Wenn wir argumentieren, das Sittengesetz (z.B. die zehn Gebote) sei f\u00fcr uns nach wie vor g\u00fcltig, das Zeremonialgesetz (Opfersystem, j\u00fcdische Feiertage) aber nicht mehr, dann ist diese Unterscheidung im Blick auf unseren Abschnitt ebenfalls schwierig zu begr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen wir uns aus der Aff\u00e4re ziehen, indem wir auf das \u201cjudenchristliche Milieu\u201d des Matth\u00e4usevangeliums verweisen? Auf jeden Fall nicht so, dass wir damit unseren Abschnitt quasi \u00fcber Bord werfen k\u00f6nnten als f\u00fcr uns nicht mehr relevanten Bestandteil der Bibel. Es kann andererseits auch nicht gemeint sein, dass wir zuerst Jude und J\u00fcdin werden m\u00fcssten, um \u201crichtig\u201d Christen werden zu k\u00f6nnen. Da sprechen die Apostelgeschichte und die Briefe des Paulus deutlich dagegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird nicht ohne manchmal beschwerliches Forschen, Abw\u00e4gen und Diskutieren abgehen (ch freue mich auf Reaktionen), um in Verantwortung vor dem dreieinigen Gott zu L\u00f6sungen zu kommen, welche seinem Willen entsprechen, den Worten der Bergpredigt gerecht werden und das Alte Testament nicht verachten. Jesus Christus hat das Gesetz in allen Teilen v\u00f6llig erf\u00fcllt. Das ist f\u00fcr uns Trost und Rettung, weil wir ihm darin bei allem guten Willen letztlich nicht folgen k\u00f6nnten. Trotzdem bleibt ja Vers 16 als Aufgabe der christlichen Gemeinde bestehen. Durch ihr Leben, ihr Reden und Handeln soll Gott von allen Menschen gepriesen werden.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Luz, a.a.O., S.241<sup><\/sup><\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 5, 19 Wer also auch nur eines dieser Gebote aufl\u00f6st, und sei es das kleinste, und die Menschen so lehrt, der wird der Geringste sein im Himmelreich. Wer aber tut, was das Gebot verlangt, und so lehrt, der wird gross sein im Himmelreich. 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