{"id":126,"date":"2022-01-14T18:30:15","date_gmt":"2022-01-14T18:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=126"},"modified":"2022-01-14T18:30:15","modified_gmt":"2022-01-14T18:30:15","slug":"salz-der-erde-und-licht-der-welt-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2022\/01\/14\/salz-der-erde-und-licht-der-welt-iii\/","title":{"rendered":"Salz der Erde und Licht der Welt III"},"content":{"rendered":"\n<p>Matth\u00e4us 5, 15<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Auch z\u00fcn<\/em><\/strong><em><strong>det niemand eine Lampe an und stellt sie dann unter ein Gef\u00e4\u00df. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenst\u00e4nder, damit sie allen im Haus Licht gibt.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wieder sehr bildhaft und einpr\u00e4gsam verdeutlicht Jesus noch einmal die Lichtfunktion derer, die ihm zuh\u00f6ren und vertrauen. Die Stadt auf dem Berg von Vers 14 leuchtet prim\u00e4r f\u00fcr ihre Einwohner, dass ihre Lampen auch denen, die nachts ausserhalb unterwegs sind, leuchten, ist ein damals vermutlich angenehmer Nebeneffekt. Heute spricht man dagegen eher von Lichtverschmutzung. Jedoch der Vergleich mit der Lampe in unserem Vers zielt auf die Absicht. Man z\u00fcndet abends Lichter an, damit alle im Haus \u201cetwas sehen\u201d. Eine Licht anz\u00fcnden, damit es Helligkeit verbreitet, ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, und es w\u00fcrde niemandem einfallen, eine brennende Lampe unter einen K\u00fcbel zu stellen. Kerzenlicht oder damals gebr\u00e4uchliche \u00d6llampen w\u00fcrde man so nicht nur nicht sehen, sie w\u00fcrden auch bald verl\u00f6schen. Das in den traditionellen Bibel\u00fcbersetzungen (Luther, Z\u00fcrcher) verwendete Wort \u201cScheffel\u201d bezeichnet ein Massgef\u00e4ss. Es soll einen Inhalt von ungef\u00e4hr 8, 75 Liter gehabt haben. Das Licht aber geh\u00f6rt auf einen passenden St\u00e4nder, soll damit gut sichtbar sein und so seinen Zweck erf\u00fcllen. Es soll allen (!) im Haus leuchten. Es ist demnach nicht nur Leselampe f\u00fcr die eigenen Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2018Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen\u2019 ist eine noch heute gelegentlich gebrauchte Redewendung f\u00fcr falsche Bescheidenheit. Ist denn gemeint, dass die christliche Gemeinde sich zur Schau stellen solle, nach dem Motto: \u2018Tue Gutes und rede dar\u00fcber?\u2019 &#8211; Dass es hier nicht um Selbstdarstellung, nicht um Wichtigtuerei oder sonst eine Form von frommem Narzissmus geht, zeigt der n\u00e4chste Vers.<\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us 5, 16<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vers ist von Bedeutung, weil er hilft, die voranstehenden einzuordnen. Kurz und b\u00fcndig: Die Christen sind Salz der Erde und Licht der Welt, indem sie ihre guten Werke leuchten lassen.<sup>1) <\/sup>Der aufmerksame, aber ein wenig misstrauische Reformierte k\u00f6nnte an dieser Stelle nat\u00fcrlich sofort fragen, ob denn Matth\u00e4us \u201cWerkgerechtigkeit\u201d lehre und nicht um die Rechtfertigung aus dem Glauben wisse. Aber um diesen Gegensatz geht es hier nicht. So wie das Licht nur Licht ist, wenn es leuchtet, so ist der Christ nur Christ, wenn er in dem lebt, was ihm zugesprochen ist. Oder wie es Wengst in einer unserer Zeit entsprechenden Interpretation des Lichtes anschaulich ausdr\u00fcckt: \u201c&#8230; &nbsp;Gemeinde [ist] nur Gemeinde im Vollzug, im Ereignis, in ihren Taten. Jesus hat &nbsp;seine Sch\u00fcler sozusagen \u201eunter Strom gesetzt\u201c und so k\u00f6nnen sie gar nicht &nbsp;anders als zu \u201eleuchten\u201c.\u201d<sup>2)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Inhaltlich kann man die \u201cguten Taten\u201d recht allgemein fassen und darunter all das verstehen, was in den voranstehenden Seligpreisungen genannt ist und ebenso, was in den Antithesen ab Vers 17 behandelt wird (siehe dort).<\/p>\n\n\n\n<p>Mir scheint, mit diesen guten Taten sollen zwei Ziele verfolgt werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>ein im besten Sinne missionarisches: Das Licht der J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen von Jesus soll leuchten <em>vor den Menschen<\/em>. Zwar steht dieser Satz in einer gewissen Spannung zu Kap. 6, 1 u. 5, mit der wir uns dann dort n\u00e4her befassen wollen. Aber hier ist doch auff\u00e4llig, dass nicht an die Verk\u00fcndigung des &nbsp;Wortes appelliert wird, sondern dass dem Leben und Wirken der Jesusj\u00fcnger entscheidende Bedeutung zukommt. Man spricht ja nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch sein Tun und lassen, manchmal sogar viel lauter&#8230; Das heisst aber gleichzeitig, dass es in der christlichen Gemeinde nie nur um die Predigt des Wortes und damit um die damit Beauftragten (Pfarrpersonen&#8230;) gehen kann, sondern dass das Leben und Wirken der ganzen Gemeinde im Blick ist, weil allen in ihr T\u00e4tigen Lichtfunktion zukommt.<\/li><li>soll alles Tun des Guten letztlich der Ehre und Verherrlichung Gottes dienen (Soli Deo gloria). Also gerade nicht Zurschaustellung der eigenen frommen Leistung und keine narzisstische Profilierung. Und, was bemerkenswert ist, soll durch die guten Taten der J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen nicht nur quasi das \u201cinterne Lob\u201d der Gemeinde befl\u00fcgelt werden, sondern sollen alle Menschen, die diese Werke sehen oder davon profitieren, zum Lobpreis Gottes animiert werden. Zum ersten Mal im Matth\u00e4usevangelium wird Gott hier \u00fcbrigens &nbsp;\u201cVater im Himmel\u201d genannt. Er ist der, welcher in seiner v\u00e4terlichen F\u00fcrsorge die Gemeinde seines Sohnes leitet und unterst\u00fctzt in ihrer Salz- und Lichtfunktion und damit im Tun der guten Taten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>vgl. Luz, a.a.O. S. 224<sup><\/sup><\/li><li>&nbsp;Wengst, a.a.O. S. 62<sup><\/sup><\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 5, 15 Auch z\u00fcndet niemand eine Lampe an und stellt sie dann unter ein Gef\u00e4\u00df. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenst\u00e4nder, damit sie allen im Haus Licht gibt. 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