{"id":118,"date":"2021-12-10T16:25:03","date_gmt":"2021-12-10T16:25:03","guid":{"rendered":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/?p=118"},"modified":"2021-12-10T16:25:03","modified_gmt":"2021-12-10T16:25:03","slug":"salz-der-erde-und-licht-der-welt-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibelblogplus.ch\/index.php\/2021\/12\/10\/salz-der-erde-und-licht-der-welt-ii\/","title":{"rendered":"Salz der Erde und Licht der Welt II"},"content":{"rendered":"\n<p>Matth\u00e4us 5, 14<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist die dunkelste Zeit des Jahres, in der ich diesen Beitrag verfasse. Die Tage sind kurz, die Sonne steht tief und zeigt sich an manchen Tagen gar nicht. Manchmal ist es n\u00f6tig, das Licht im Pfarrb\u00fcro den ganzen Tag brennen zu lassen, um vern\u00fcnftig arbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-120\" srcset=\"https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239-300x225.jpg 300w, https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239-768x576.jpg 768w, https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/bibelblogplus.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20210114_185239.jpg 1684w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201cIhr seid das Licht der Welt\u201d, sagt Jesus und setzt damit voraus, dass es &#8211; in \u00fcbertragenem Sinne selbstverst\u00e4ndlich &#8211; in dieser Welt jahraus, jahrein so finster ist, dass es Licht braucht, um sich orientieren zu k\u00f6nnen. Da mag, wer fortlaufend liest, an Matth\u00e4us 4, 16 zur\u00fcckdenken: \u201c&#8230; das Volk, das in der Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen&#8230;\u201d, was wiederum aus Jesaja 9 zitiert ist, einem Text, der auch in Gottesdiensten und Andachten der Adventszeit h\u00e4ufig vorgelesen wird. Dieses grosse Licht wird, das ist nicht erstaunlich, bei Matth\u00e4us auf Jesus gedeutet. Dementsprechend bezeichnet Jesus sich selbst in einem der bekannten so genannten \u201cIch-bin-Worte\u201d als Licht der Welt: \u201cIch bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben.\u201d (Johannes 8, 12)<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tradition des Judentums wurde die Metapher vom Licht in unterschiedlicher Hinsicht verwendet, bezogen auf Israel, auf die Moseb\u00fccher (Torah), auf die Stadt Jerusalem, auf einzelne vorbildliche Lehrer oder Gerechte (vgl. R\u00f6mer 1, 19), auf den Gottesknecht (Jesaja 42, 6 und 49,6). Da kann man nachvollziehen, dass Jesus sich selber quasi in diese Reihe stellt. Umso erstaunlicher nun aber die Deutung auf die in der Bergpredigt angsprochenen Zuh\u00f6rer und Zuh\u00f6rerinnen. Genau wie im voranstehenden Vers 13 ist auch hier das \u201cIhr\u201d betont, und wieder ist die ganze christliche Gemeinde angesprochen, nicht nur einzelne besondere \u201cLeuchten\u201d oder \u201cHeilige\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder fragen wir: Wie kann es sein, dass damals v\u00f6llig unbedeutende Menschen, wie kann es sein, dass wir als heutige Christen Licht der Welt sein sollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie erw\u00e4hnt, setzt Jesus voraus, dass die Welt sich in einem Zustand der Finstenis befindet. Aber muss man einer solchen Pr\u00e4misse heutzutage nicht widersprechen? Immerhin haben wir doch das Zeitalter der Aufkl\u00e4rung erklebt, und es ist doch nicht zu bestreiten, dass mit ihr eine ganze Menge Licht in diese Welt gekommen ist. Lloyd-Jones bemerkt dazu Mitte des letzten Jahrhunderts aber einschr\u00e4nkend: \u201cUnsere Erkenntnis ist eine dingliche Erkenntnis, &#8230; eine Erkenntnis des Lebens auf einer rein biologischen und mechanischen Ebene. Aber unsere Erkenntnis \u00fcber die eigentlichen Faktoren, die erst das Leben zum Leben machen, hat sich \u00fcberhaupt nicht erh\u00f6ht.\u201d <sup>1) <\/sup>&nbsp;&#8211; \u201cWas die grossen monumentalen Fragen betrifft &#8211; wie wir leben sollen, wie wir das B\u00f6se und die S\u00fcnde vermeiden k\u00f6nnen &#8230; befinden wir uns immer noch in tiefster Finsternis.\u201d<sup>2) <\/sup><sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Hat sich daran etwas ge\u00e4ndert in den Jahrzehnten seither? &#8211; Ich denke, eher nicht. Die Finsternis ist geblieben. Wer aufmerksam duchs Leben geht, empfindet sie manchmal geradezu greifbar. Was aber ebenfalls geblieben ist, ist der Anspruch bzw. die Zusage von Jesus, dass Christen das Licht der Welt sind, Experten des Lebens sozusagen. Dies nicht aufgrund ihrer Schlauheit oder anderer besonderer F\u00e4higkeiten, sondern allein durch Jesus selber. Seine Zusage an uns: \u201cIhr seid das Licht der Welt\u201d muss zusammen mit seinem Selbstzeugnis: \u201cIch bin das Licht der Welt\u201d geh\u00f6rt werden. Nur sofern und inwieweit Jesus uns das Licht des Lebens gibt, k\u00f6nnen wir selbst es sein (vgl. dazu Epheser 5, 8: \u201cAuch ihr geh\u00f6rtet einst zur Finsternis, ja, ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Lebt nun auch als Menschen des Lichts!\u201d).<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Bild gesprochen, geht es darum, dass durch die enge Verbindung des Glaubens mit Jesus er uns ver\u00e4ndern kann, und wir etwas von seinem Wesen verinnerlichen. Nochmals Lloyd-Jones: \u201cAls solche, die dem Evangelium glauben, haben wir Licht, Erkenntnis und Unterweisung empfangen. Aber zus\u00e4tzlich ist das alles auch Teil unserer selbst geworden. Es ist unser Leben geworden, so dass wir es reflektieren.\u201d<sup>3) <\/sup>Nochmals von einem anderen Erkl\u00e4rungsansatz ausgehend, kann man darauf hinweisen, dass hier das Wirken des Heiligen Geistes zum Tragen kommt, der in den Gl\u00e4ubigen wohnt, sie pr\u00e4gt und durch sie hindurch wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine grosse Aufgabe, die Jesus Christus seiner Gemeinde zugedacht hat. Es ist eine Ehre, Licht sein zu d\u00fcrfen, aber manchmal auch eine schmerzliche. Denn da, wo das Licht scheint, wird auch die Finsternis erst recht gewissermassen sichtbar. Und nicht immer ist sie gewillt, zur\u00fcckzuweichen. Manchmal ist es doch so, dass man zwar weiss, was richtig und gut w\u00e4re, und dann trotzdem bei dem verharrt, was falsch und verkehrt ist. So h\u00e4lt kurz und pr\u00e4gnant schon Johannes 3, 19 fest: &nbsp;\u201dDies aber ist das Gericht: Das Licht ist in die Welt gekommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren b\u00f6se.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt die Hoffnung, dass das Licht trotzdem sich durchsetzen wird, oder wie der zweite Versteil mit einem neuen Bild veranschaulicht: Eine Stadt, die auf einem H\u00fcgel erbaut ist, ist weitherum sichtbar, man k\u00f6nnte erg\u00e4nzen: durch ihre Lichter sogar in der Nacht. Sie kann dem, der im Finstern wandert, Orientierung geben und ihn in sich aufnehmen. &#8211; Ein sch\u00f6nes Bild f\u00fcr die christliche Kirche, finde ich.<\/p>\n\n\n\n<p><sup>1)<\/sup>&nbsp;Lloys-Jones, a.a.O. S. 191<\/p>\n\n\n\n<p><sup>2) <\/sup>a.a.O. S. 192<\/p>\n\n\n\n<p><sup>3) <\/sup>a.a.O. S. 195<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 5, 14 Ihr seid das Licht der Welt. 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