Salz der Erde und Licht der Welt III

Matthäus 5, 15

Auch zündet niemand eine Lampe an und stellt sie dann unter ein Gefäß. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus Licht gibt.

Wieder sehr bildhaft und einprägsam verdeutlicht Jesus noch einmal die Lichtfunktion derer, die ihm zuhören und vertrauen. Die Stadt auf dem Berg von Vers 14 leuchtet primär für ihre Einwohner, dass ihre Lampen auch denen, die nachts ausserhalb unterwegs sind, leuchten, ist ein damals vermutlich angenehmer Nebeneffekt. Heute spricht man dagegen eher von Lichtverschmutzung. Jedoch der Vergleich mit der Lampe in unserem Vers zielt auf die Absicht. Man zündet abends Lichter an, damit alle im Haus “etwas sehen”. Eine Licht anzünden, damit es Helligkeit verbreitet, ist eine Selbstverständlichkeit, und es würde niemandem einfallen, eine brennende Lampe unter einen Kübel zu stellen. Kerzenlicht oder damals gebräuchliche Öllampen würde man so nicht nur nicht sehen, sie würden auch bald verlöschen. Das in den traditionellen Bibelübersetzungen (Luther, Zürcher) verwendete Wort “Scheffel” bezeichnet ein Massgefäss. Es soll einen Inhalt von ungefähr 8, 75 Liter gehabt haben. Das Licht aber gehört auf einen passenden Ständer, soll damit gut sichtbar sein und so seinen Zweck erfüllen. Es soll allen (!) im Haus leuchten. Es ist demnach nicht nur Leselampe für die eigenen Bedürfnisse.

‘Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen’ ist eine noch heute gelegentlich gebrauchte Redewendung für falsche Bescheidenheit. Ist denn gemeint, dass die christliche Gemeinde sich zur Schau stellen solle, nach dem Motto: ‘Tue Gutes und rede darüber?’ – Dass es hier nicht um Selbstdarstellung, nicht um Wichtigtuerei oder sonst eine Form von frommem Narzissmus geht, zeigt der nächste Vers.

Matthäus 5, 16

So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Dieser Vers ist von Bedeutung, weil er hilft, die voranstehenden einzuordnen. Kurz und bündig: Die Christen sind Salz der Erde und Licht der Welt, indem sie ihre guten Werke leuchten lassen.1) Der aufmerksame, aber ein wenig misstrauische Reformierte könnte an dieser Stelle natürlich sofort fragen, ob denn Matthäus “Werkgerechtigkeit” lehre und nicht um die Rechtfertigung aus dem Glauben wisse. Aber um diesen Gegensatz geht es hier nicht. So wie das Licht nur Licht ist, wenn es leuchtet, so ist der Christ nur Christ, wenn er in dem lebt, was ihm zugesprochen ist. Oder wie es Wengst in einer unserer Zeit entsprechenden Interpretation des Lichtes anschaulich ausdrückt: “…  Gemeinde [ist] nur Gemeinde im Vollzug, im Ereignis, in ihren Taten. Jesus hat  seine Schüler sozusagen „unter Strom gesetzt“ und so können sie gar nicht  anders als zu „leuchten“.”2)

Inhaltlich kann man die “guten Taten” recht allgemein fassen und darunter all das verstehen, was in den voranstehenden Seligpreisungen genannt ist und ebenso, was in den Antithesen ab Vers 17 behandelt wird (siehe dort).

Mir scheint, mit diesen guten Taten sollen zwei Ziele verfolgt werden:

  1. ein im besten Sinne missionarisches: Das Licht der Jünger und Jüngerinnen von Jesus soll leuchten vor den Menschen. Zwar steht dieser Satz in einer gewissen Spannung zu Kap. 6, 1 u. 5, mit der wir uns dann dort näher befassen wollen. Aber hier ist doch auffällig, dass nicht an die Verkündigung des  Wortes appelliert wird, sondern dass dem Leben und Wirken der Jesusjünger entscheidende Bedeutung zukommt. Man spricht ja nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch sein Tun und lassen, manchmal sogar viel lauter… Das heisst aber gleichzeitig, dass es in der christlichen Gemeinde nie nur um die Predigt des Wortes und damit um die damit Beauftragten (Pfarrpersonen…) gehen kann, sondern dass das Leben und Wirken der ganzen Gemeinde im Blick ist, weil allen in ihr Tätigen Lichtfunktion zukommt.
  2. soll alles Tun des Guten letztlich der Ehre und Verherrlichung Gottes dienen (Soli Deo gloria). Also gerade nicht Zurschaustellung der eigenen frommen Leistung und keine narzisstische Profilierung. Und, was bemerkenswert ist, soll durch die guten Taten der Jünger und Jüngerinnen nicht nur quasi das “interne Lob” der Gemeinde beflügelt werden, sondern sollen alle Menschen, die diese Werke sehen oder davon profitieren, zum Lobpreis Gottes animiert werden. Zum ersten Mal im Matthäusevangelium wird Gott hier übrigens  “Vater im Himmel” genannt. Er ist der, welcher in seiner väterlichen Fürsorge die Gemeinde seines Sohnes leitet und unterstützt in ihrer Salz- und Lichtfunktion und damit im Tun der guten Taten.
  1. vgl. Luz, a.a.O. S. 224
  2.  Wengst, a.a.O. S. 62

Salz der Erde und Licht der Welt II

Matthäus 5, 14

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

Es ist die dunkelste Zeit des Jahres, in der ich diesen Beitrag verfasse. Die Tage sind kurz, die Sonne steht tief und zeigt sich an manchen Tagen gar nicht. Manchmal ist es nötig, das Licht im Pfarrbüro den ganzen Tag brennen zu lassen, um vernünftig arbeiten zu können.

“Ihr seid das Licht der Welt”, sagt Jesus und setzt damit voraus, dass es – in übertragenem Sinne selbstverständlich – in dieser Welt jahraus, jahrein so finster ist, dass es Licht braucht, um sich orientieren zu können. Da mag, wer fortlaufend liest, an Matthäus 4, 16 zurückdenken: “… das Volk, das in der Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen…”, was wiederum aus Jesaja 9 zitiert ist, einem Text, der auch in Gottesdiensten und Andachten der Adventszeit häufig vorgelesen wird. Dieses grosse Licht wird, das ist nicht erstaunlich, bei Matthäus auf Jesus gedeutet. Dementsprechend bezeichnet Jesus sich selbst in einem der bekannten so genannten “Ich-bin-Worte” als Licht der Welt: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben.” (Johannes 8, 12)

In der Tradition des Judentums wurde die Metapher vom Licht in unterschiedlicher Hinsicht verwendet, bezogen auf Israel, auf die Mosebücher (Torah), auf die Stadt Jerusalem, auf einzelne vorbildliche Lehrer oder Gerechte (vgl. Römer 1, 19), auf den Gottesknecht (Jesaja 42, 6 und 49,6). Da kann man nachvollziehen, dass Jesus sich selber quasi in diese Reihe stellt. Umso erstaunlicher nun aber die Deutung auf die in der Bergpredigt angsprochenen Zuhörer und Zuhörerinnen. Genau wie im voranstehenden Vers 13 ist auch hier das “Ihr” betont, und wieder ist die ganze christliche Gemeinde angesprochen, nicht nur einzelne besondere “Leuchten” oder “Heilige”.

Wieder fragen wir: Wie kann es sein, dass damals völlig unbedeutende Menschen, wie kann es sein, dass wir als heutige Christen Licht der Welt sein sollen?

Wie erwähnt, setzt Jesus voraus, dass die Welt sich in einem Zustand der Finstenis befindet. Aber muss man einer solchen Prämisse heutzutage nicht widersprechen? Immerhin haben wir doch das Zeitalter der Aufklärung erklebt, und es ist doch nicht zu bestreiten, dass mit ihr eine ganze Menge Licht in diese Welt gekommen ist. Lloyd-Jones bemerkt dazu Mitte des letzten Jahrhunderts aber einschränkend: “Unsere Erkenntnis ist eine dingliche Erkenntnis, … eine Erkenntnis des Lebens auf einer rein biologischen und mechanischen Ebene. Aber unsere Erkenntnis über die eigentlichen Faktoren, die erst das Leben zum Leben machen, hat sich überhaupt nicht erhöht.” 1)  – “Was die grossen monumentalen Fragen betrifft – wie wir leben sollen, wie wir das Böse und die Sünde vermeiden können … befinden wir uns immer noch in tiefster Finsternis.”2)

Hat sich daran etwas geändert in den Jahrzehnten seither? – Ich denke, eher nicht. Die Finsternis ist geblieben. Wer aufmerksam duchs Leben geht, empfindet sie manchmal geradezu greifbar. Was aber ebenfalls geblieben ist, ist der Anspruch bzw. die Zusage von Jesus, dass Christen das Licht der Welt sind, Experten des Lebens sozusagen. Dies nicht aufgrund ihrer Schlauheit oder anderer besonderer Fähigkeiten, sondern allein durch Jesus selber. Seine Zusage an uns: “Ihr seid das Licht der Welt” muss zusammen mit seinem Selbstzeugnis: “Ich bin das Licht der Welt” gehört werden. Nur sofern und inwieweit Jesus uns das Licht des Lebens gibt, können wir selbst es sein (vgl. dazu Epheser 5, 8: “Auch ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja, ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Lebt nun auch als Menschen des Lichts!”).

Ohne Bild gesprochen, geht es darum, dass durch die enge Verbindung des Glaubens mit Jesus er uns verändern kann, und wir etwas von seinem Wesen verinnerlichen. Nochmals Lloyd-Jones: “Als solche, die dem Evangelium glauben, haben wir Licht, Erkenntnis und Unterweisung empfangen. Aber zusätzlich ist das alles auch Teil unserer selbst geworden. Es ist unser Leben geworden, so dass wir es reflektieren.”3) Nochmals von einem anderen Erklärungsansatz ausgehend, kann man darauf hinweisen, dass hier das Wirken des Heiligen Geistes zum Tragen kommt, der in den Gläubigen wohnt, sie prägt und durch sie hindurch wirkt.

Was für eine grosse Aufgabe, die Jesus Christus seiner Gemeinde zugedacht hat. Es ist eine Ehre, Licht sein zu dürfen, aber manchmal auch eine schmerzliche. Denn da, wo das Licht scheint, wird auch die Finsternis erst recht gewissermassen sichtbar. Und nicht immer ist sie gewillt, zurückzuweichen. Manchmal ist es doch so, dass man zwar weiss, was richtig und gut wäre, und dann trotzdem bei dem verharrt, was falsch und verkehrt ist. So hält kurz und prägnant schon Johannes 3, 19 fest:  ”Dies aber ist das Gericht: Das Licht ist in die Welt gekommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.”

Es bleibt die Hoffnung, dass das Licht trotzdem sich durchsetzen wird, oder wie der zweite Versteil mit einem neuen Bild veranschaulicht: Eine Stadt, die auf einem Hügel erbaut ist, ist weitherum sichtbar, man könnte ergänzen: durch ihre Lichter sogar in der Nacht. Sie kann dem, der im Finstern wandert, Orientierung geben und ihn in sich aufnehmen. – Ein schönes Bild für die christliche Kirche, finde ich.

1) Lloys-Jones, a.a.O. S. 191

2) a.a.O. S. 192

3) a.a.O. S. 195

Salz der Erde und Licht der Welt I

Matthäus 5, 13

Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

Ihr seid das Salz der Erde – das “Ihr” ist im griechischen Grundtext durch die Wortwahl und die Voranstellung besonders betont. Ihr – damit ist der gleiche Kreis angesprochen wie in den Versen vorher. Ihr – das sind nicht nur die damals anwesenden Apostel und Schüler von Jesus, sondern mit ihnen die ganze christliche Gemeinde. Ihr – das heisst in diesem Zusammenhang auch: “Ausgerechnet ihr, die ihr verfolgt und geschmäht werdet, seid das Salz der Erde.”1) Offenbar eine besondere Würde, die Jesus den von Menschen Verachteten zumisst! 

Wie aber ist diese Metapher “Salz der Erde” zu verstehen? – Recht schnell klar ist, dass mit der Erde nicht der Erdboden gemeint sein kann, sondern die Welt (vgl. V. 14). So ist denn hier schon die missionarische Funktion der christlichen Gemeinde angesprochen, die dann am Ende des Evangeliums, 28, 18-20 nochmals explizit als Auftrag formuliert wird. Von den Verwendungszwecken des Salzes her kann man versuchen, dem Aussagegehalt des Bildes näher auf die Spur zu kommen. Salz hatte und hat bis heute in der alltäglichen Verwendung hauptsächlich die Aufgaben zu würzen, zu konservieren, damals wohl auch noch zu reinigen. Es versteht sich von selbst, dass das Auftauen gefrorener Strassen noch nicht im Blick war…

Auf welche Funktion aber hat Jesus wohl angespielt? – Dies abschliessend zu entscheiden fällt nicht leicht. Während Lloyd-Jones in seiner Predigt zu diesem Vers die christliche Gemeinde in erster Linie als “Konservierungsmittel” versteht, das die Welt vor dem Zerfall bewahrt, legt sich aus der Sicht anderer Ausleger und auch von der Parallelstelle Markus 9, 49-50 her eher die Funktion des Würzens nahe, nach welcher die christliche Gemeinde die Welt schmackhaft bzw. das Leben in ihr lebbar machen würde. Beides sind grosse Aufgaben, wobei für die damalige, noch sehr kleine und unbedeutende christliche Gemeinde die erste im Blick auf die ganze Welt vermutlich noch unerfüllbarer erscheinen musste als die zweite. Immerhin kann eine Prise Salz schon den Geschmack eines ganzen Topfes Suppe verändern.  Aber es ist m. E. auch nicht auszuschliessen, dass Jesus mit seinem Bild beide Funktionen im Blick hat.

Wie Christen konkret diese Salzfunktion für die Welt wahrnehmen können, zeigt summarisch Vers 16 (siehe dort) und ausführlicher die ganze Bergpredigt. Deutlich wird auf jeden Fall mit beiden Bildern, jenem vom Salz und dem anschliessenden vom Licht, dass die christliche Gemeinde nicht zum Selbstzweck und nicht nur zur eigenen Erbauung existiert, sondern für die Welt da ist und in sie hinein wirken soll.2)

Susanne Schmid weist in ihrer Auslegung darauf hin, dass im Judentum die Torah und dann auch scharfsinnige Torahlehrer als Salz der Erde bezeichnet wurden.3) Dementsprechend könnte sich auch das Salz, als das die Jünger und Jüngerinnen von Jesus bezeichnet werden, der Sache nach auf ihre Verkündigung beziehen. Andere beziehen es auf ihre Weisheit, Opferbereitschaft (das Salz löst sich bei seiner Anwendung auf) oder den Lebenswandel.

Seltsam tönt für unsere Ohren die Fortsetzung des Verses. Je nach Übersetzung ist von Salz, das “fade” (wörtlich sogar: “dumm”), geworden ist, bzw. erklärend, das seine Kraft oder Wirkung oder seinen Geschmack verloren hat und nicht mehr salzt, die Rede. Die anschliessende Frage kann aus dem Griechischen verschieden übersetzt werden, entweder bezogen auf das Salz selber: Wenn das Salz fade geworden ist, “womit soll es, [das Salz] gesalzen werden”, d.h. wieder salzkräftig gemacht werden? Oder wie die Zürcher Bibel: “Wenn aber das Salz fade wird, womit soll man dann salzen”, d.h. womit soll man das Salz dann ersetzen?

Die erste Variante deutet den Vergleich im Sinne einer “unmöglichen Möglichkeit”4). Reines Salz kann seine Qualität gar nicht verlieren und fade werden. Die christliche Gemeinde kann es eigentlich von ihrer Anlage her auch nicht. “Aber es ist eben doch eine Möglichkeit: Sie [d.h. seine Schüler, CF] können die Lehre Jesu vergessen, sie können vergessen, dass ihnen das Himmelreich verheißen ist. Sie können sich dumm stellen und sie können sich dumm anstellen.”5)

Die zweite Variante rechnet damit, dass Salz in der damals in der Antike vorliegenden unreinen Form (vermutlich in der Regel aus dem Toten Meer gewonnen) tatsächlich mit der Zeit durch die Lagerung in seinem Geschmack beeinträchtigt werden kann. Für diese Annahme spricht die Fortsetzung des Verses: Wenn es nicht vorgekommen wäre, dass man Salz tatsächlich wegwerfen musste, hätte Jesus wohl kaum davon gesprochen.

Wie auch immer: Deutlich ist die nachfolgende indirekte Drohung. Ausdrücke wie “hinausgeworfen werden” (vgl. z.B. Matthäus 5, 29; 3, 10)  und “zertreten werden” (vgl. z.B. Jesaja 36, 3.6) spielen auf Gerichtszusammenhänge an. Die hohe Ehre, Salz der Erde zu sein, bringt demnach eine ebenso grosse Verantwortung mit sich, sich ihrer im praktischen Lebensvollzug auch würdig zu erweisen.

  1. Luz, a.a.O. S. 221
  2. Viele christliche Gemeinden und Kirchen halten auch heute diesen Auftrag in ihren Leitbildern oder Zielformulierungen fest, u.a. auch die Kirchgemeinde Weiningen, in der ich tätig bin.
  3. Schmid, a.a.O. Kapitel 3
  4. So z.B. Luz, a.a.O., S. 222
  5. Wengst, a.a.O. S. 61

Die Seligpreisungen IX

Matthäus 5, 11-12

Glücklich zu preisen seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und euch das Ärgste nachsagen um meinetwillen und dabei lügen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn im Himmel ist gross. Genauso haben sie auch die Propheten vor euch verfolgt.

Wie unter Vers 10 schon erwähnt, werden in den Versen 11-12 die Zuhörenden in der zweiten Person Plural direkt angesprochen: “Glücklich zu preisen seid ihr…” Im Blick steht, wie ebenfalls bei Vers 10 angetönt, jetzt nicht mehr ein Verhalten, sondern ein Erleiden. In Leidenssituationen ist so ein direkter Zuspruch sicher besonders willkommen und auch nötig.

“Mit Schmähung und Verfolgung muss die Gemeinde grundsätzlich rechnen”1) Was sich so nüchtern und lapidar festhalten lässt, unterstreichen zahlreiche Stellen im Neuen Testament (z.B. Hebräer 10, 32-34 und besonders nahe an unserem Text: 1. Petrus 3, 14, vgl. auch die folgenden Verse), unterstreichen ebenso unzählige Vorfälle im Laufe der Kirchengeschichte bis in die Gegenwart.

Wie sich dieses schon in Vers 10 thematisierte Verfolgen zeigt, erläutert unsere Stelle genauer: Schmähen, beschimpfen, Böses nachreden, also “verbale Attacken”, aber nicht einfach harmlose Sprüche, sondern “mit sozialer Ausgrenzung verbundene Diffamierungen”2),  verbunden mit “wirtschaftlicher Boykottierung”3). Dass Verfolgung in dieser Weise anfängt, lässt sich auch heute beobachten. Oft lassen es die Urheber und Antreiber aber nicht dabei bewenden, und es kommt zur Eskalation, zu Gefangennahme, Vertreibung, Gefährdung und Auslöschung von Leib und Leben.

Wenn Jesus nun diese düstere Prognose mit einer Seligpreisung verbindet, handelt er da nicht herz- und teilnahmslos? – Zuerst gilt wieder einmal festzuhalten, dass er nicht sozusagen im luftleeren Raum oder in Eigenregie eine weltfremde Theorie entwickelt, sondern einen Text aus dem Alten Testament aufgreift, wo Gott sagt: “Hört auf mich, die ihr die Gerechtigkeit kennt! Volk, das meine Weisung im Herzen trägt! Fürchtet euch nicht vor dem Schmähen der Menschen, und erschreckt nicht vor ihrem Lästern.” Jesaja 51, 7. Diesen Zuspruch greift Jesus auf, führt ihn weiter und kehrt ihn ins Positive: Nicht nur nicht fürchten, sondern sogar freuen sollen sich diejenigen, die verfolgt werden. Das tönt erst recht abwegig. Natürlich kann man nun berechtigterweise dagegen halten, es gehe bestimmt nicht darum, sich in einer Art masochistischen (und wenn man nicht direkt betroffen ist gar bald sadistischen) Weise über erlittenes Leid an sich zu freuen, sondern im Fokus stehe die Freude über den verheissenen Lohn im Himmel. Aber ist das in unseren heutigen Ohren nicht noch einmal abwegig, eine billige Jenseitsvertröstung? – Das wäre allerdings zu kurz geschlossen, denn die hier Angesprochenen sind ja nicht Menschen, die mit dem Leben auf dieser Erde abgeschlossen haben und einfach noch passiv erdulden, was auf sie zukommt. Es sind ja gerade diejenigen, die gemäss den voranstehenden Seligpreisungen leben und sich damit aktiv und überaus engagiert zeigen. Zwar ändert ihre Lebensweise nicht von heute auf morgen die Welt, aber Gott achtet auf ihr Tun und wird es belohnen.

Wenn es um Lohn für geleistete Arbeit geht, sind wir in der Regel schnell dabei, können einschätzen, was wir zugute haben und es auch einfordern. Wenn es um das “geistliche Leben” geht, sind wir im allgemeinen zurückhaltender. Haben wir nicht besonders als Reformierte gelernt, dass “alles Gnade” ist, dass man Gott nicht um Verdienste dienen soll noch kann, geschweige denn, Lohnvorstellungen vorbringen könnte. Trefflich dazu der Kommentar von Lloyd-Jones in seiner Predigt zu diesen Versen: “Die Antwort der Schrift ist, dass eben auch die Belohnung allein aus Gnaden geschieht.”4) Man könnte, im Blick auf den, der den Lohn austeilt, auch sagen: Wir haben einen grosszügigen Gott, der sich freut an Menschen, die seinen Willen tun. Er ist es, der zu allem, was geschieht, das letzte Wort behält, es beurteilt, bewertet und auch reichlich belohnt.

Woraus besteht denn aber dieser Lohn? – Die Frage ist berechtigt, erfahren wir doch an unserer Stelle nichts weiter dazu. Wird er vielleicht hier und anderswo in der Bibel nicht genauer bestimmt, weil er so sehr mit der himmlischen Welt verbunden ist, dass er in menschlichen Worten gar nicht adäquat beschrieben werden kann? – Eine aus meiner Sicht durchaus sinnvolle Vermutung.

Übersehen sollte man überdies nicht, dass diese Seligpreisung sich nicht auf Verfolgung irgendwelcher Art erstreckt, sondern sich explizit auf jene Verfolgung bezieht, die um Jesu willen erlitten wird, weil Menschen ihm nachfolgen und sich in seinem Sinne für Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden einsetzen.

Trost vermitteln, ja zur Freude motivieren, soll auch der letzte Hinweis in Vers 12, dass es nämlich “schon immer” so gelaufen ist, dass auch die Propheten früherer Zeit verfolgt worden sind (vgl. 2. Chronik 36,15–16)  und Christen, denen es gleich ergeht, sich quasi in ihre illustre Reihe einordnen dürfen. Sie sind nicht allein, sondern begleitet und getragen von denen, die Vergleichbares erlitten, standgehalten und überwunden haben. In diesem Bewusstsein kann auch aktuelles Leiden eingeordnet und leichter, ja mutmasslich eben sogar mit einer Freude, welche die irdischen Dimensionen übersteigt, getragen werden.

1)Luz, a.a.O., S. 214

2)Wengst, a.a.O. S. 52

3)Wengst, a.a.O. S. 53

4)Lloyd-Jones, a.a.O. S. 174

Die Seligpreisungen VIII

Matthäus 5, 10

Glücklich zu preisen sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Die Seligpreisung in Vers 10 markiert einen Übergang. Sie ist noch in der dritten Person formuliert, während Verse 11 und 12 in die zweite wechseln. Jedoch gehört sie, was den Inhalt betrifft, zu eben diesen folgenden Versen. Während die Seligpreisungen in den Versen 3-9 ein Verhalten beschreiben, so diese nun ein Erleiden. Präziser: Ein Erleiden, das resultiert aus dem vorher beschriebenen Verhalten. Auffällig ist zudem, dass der Nachsatz: “…denn ihnen gehört das Himmelreich” eine wörtliche Wiederholung aus Vers 3, der ersten Seligpreisung, ist.

Wengst zieht daraus folgende Schlüsse1):

  • Die beiden Nachsätze “…denn ihnen gehört das Himmelreich” bilden einen Rahmen, innerhalb dessen die Nachsätze der übrigen Seligpreisungen veranschaulichen, was unter dem Himmelreich zu verstehen ist:
  • Zu diesem Reich gehören bzw. Bürger darin sind jene, die das in den Vordersätzen beschriebene Verhalten praktizieren, d.h. demütig sind, sich nicht gleichgültig mit dem Unrecht in der Welt abfinden, Barmherzigkeit üben, aufrichtig sind, Frieden stiften, etc. .
  • Dieses Verhalten kann man unter dem Begriff “Gerechtigkeit”, der schon in Vers 6 aufgetaucht ist, zusammenfassen. Das Himmelreich ist demnach durch diese Gerechtigkeit charakterisiert.
  • Aufgeschlüsselt nach den Seligpreisungen bedeutet dies für jene, denen es zugesprochen wird: Getröstet und gesättigt werden, Erbarmen finden, das Land erben, mit Gott in einer ungetrübten Beziehung stehen.
  • Wer sich so verhält, wie in diesen Seligpreisungen beschrieben, kann (oder wird) Verfolgung von Menschen erfahren.

In seiner Predigt zu dieser Seligpreisung2) legt Lloyd-Jones Wert darauf, zu unterscheiden zwischen Verfolgung der Christen aus eigener Torheit, Ungeschicktheit, Fanatismus, etc. (das gibt es auch…) und der hier angesprochenen Verfolgung der Gerechtigkeit wegen. Was Gerechtigkeit und gerecht sein bedeuten, charakterisiert er nochmals anschaulich, kurz und bündig: Es bedeutet, so sein wie Jesus. Das wiederum zieht auch nach sich, was Jesus neben unserer Selipgreisung z.B. in Lukas 6, 26 seinen Nachfolgern in Aussicht gestellt hat: “Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn so haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.”

Das stimmt schon nachdenklich, nicht wahr? – Wir möchten im allgemeinen gern, dass man gut über uns als Christen redet, dass wir gesellschaftlich anerkannt sind. Aber Jesus bewertet das anders. Er sagt seinen Nachfolgern, sie sollen sich freuen, wenn sie seinetwegen nicht nur nicht hochgeachtet, sondern sogar verfolgt werden.

1)Wengst, vgl. a.a.O., S.36; vgl. S. 52

2) Lloyd-Jones, a.a.O., S. 153ff

Die Seligpreisungen VII

Matthäus 5, 9

Glücklich zu preisen sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Bei dieser Seligpreisung ist der direkte Bezug zum Altent Testament etwas weniger deutlich als bei der voranstehenden. Immerhin findet sich in Psalm 34, 15 die Aufforderung: “Meide das Böse und tue das Gute, suche Frieden und jage ihm nach.” Auch in der rabbinischen Literatur hatte der Auftrag, Frieden zu stiften, einen prominenten Platz, so dass die Thematik für diejenigen, die Jesus damals zuhörten, vermutlich nicht fremd war.

Angesprochen sind die “Friedensstifter”, noch wörtlicher übersetzt die “Frieden Machenden”. Das in den älteren Lutherbibeln stehende “die Friedfertigen” ist missverständlich, weil es leicht mit einer passiven Haltung bzw. friedlichen Gesinnung (ein Hund, der nicht bellt und beisst) verbunden werden kann. Gemeint ist aber ein aktives Bemühen, es geht um Leute, “die zwischen verfeindeten und streitenden Menschen schlichten, sie miteinander versöhnen und so ein Zusammenleben im friedlichen Miteinander gestalten helfen.”1)  Luther selber hat die Stelle so verstanden: „Hier preist der Herr […] diejenigen, die sich darum  bemühen, dass sie gerne Frieden schaffen, nicht allein für sich, sondern auch unter anderen Leuten, dass sie helfen, böse und verworrene Angelegenheiten  zurechtzubringen, Hader zu beenden, Krieg und Blutvergießen zu wehren.“  Und er schliesst daraus „dass, wer ein Christ und Gottes Kind sein will, nicht allein keinen Krieg und Unfrieden anfange, sondern zum Frieden helfe und  rate, wo immer er kann, auch wenn genug Recht und Ursachen zum Krieg  gegeben wären“.2) 

Man könnte auch schon mal vorausweisen auf die Verse 44-48 in diesem Kapitel, wo mit dem Gebot der Feindesliebe so etwas wie eine nächste Stufe in dieser Verhaltenslogik gezündet wird.

Fragt sich noch, ob hier beim Friedensstiften in erster Linie daran gedacht ist, vermittelnd und versöhnend zwischen zerstrittenen Parteien tätig zu sein, oder ob es eher darum geht, selber mit anderen in Frieden zu leben bzw. sich (wieder) zu versöhnen. Möglicherweise liegt der Akzent hier auf dem Vermitteln, aber das andere ist sicher nicht ausgeschlossen, vgl. Römer 12, 18: “Wenn möglich, soweit es in eurer Macht steht: Haltet Frieden mit allen Menschen!” Und wer in seinem eigenen Umfeld nicht Frieden sucht, wirkt auch als Friedensstifter zwischen anderen Parteien nicht glaubwürdig.

Die Friedensstifter werden Kinder (wörtlich: Söhne) Gottes heissen bzw. genannt werden. Von wem? – Sicher von Gott selber, der ja seinerseits der Gott des Friedens ist, vgl. z.B. Richter 6, 24; Hebräer 13, 20. Auch der angekündigte Messias wird im Alten Testament an einer bekannten Stelle als “Friedefürst” bezeichnet (Jesaja 9, 5), und bei seinem Kommen stand der Friede wiederum im Zentrum als die himmlischen Heerscharen ihren Jubel erschallen liessen: “Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden unter den Menschen seines Wohlgefallens.” (Lukas 2, 14)

Wer von höchster Autorität Kind Gottes genannt wird, ist es auch, vgl. 1. Johannes 3, 1: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!” Man könnte mit Lloyd-Jones erklären: “…ein Friedensstifter ist ein Kind Gottes, weil er das Wesen seines Vaters widerspiegelt.”3) 

Vielleicht ist es noch hilfreich, darauf hinzuweisen, dass vor dem Hintergrund des Alten Testamentes “Friede” mehr umfasst als nur die Abwesenheit von Krieg oder Streit. Der zugrunde liegende hebräische Begriff “Schalom” umfasst auch Wohlergehen, Glück, ein erfülltes Leben. Friedensstifter haben somit eine schöne, ehrenwerte Aufgabe in dieser Welt.

1) Wengst, a.a.O., S. 49f

2) zitiert bei Wengst, a.a.O., S. 48

3) a.a.O. S. 151

Die Seligpreisungen VI

Matthäus 5, 8

Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott sehen.

Liest man diese Seligpreisung, bekommt man schnell den Eindruck, dass sie grosse Dimensionen anrührt. Ein reines Herz – das muss doch wohl irgendwie das ganze Leben eines Menschen betreffen. Auch die Verheissung, Gott zu schauen, ist vielleicht Ziel und Wunsch eines gläubigen Menschen,  übersteigt aber auf jeden Fall alles, was wir uns vorstellen können. Lloyd-Jones bezeichnet diesen Vers sogar als einen der grossartigsten, aber auch ernstesten in der ganzen Bibel, als “Herzstück der christlichen Lehre”1) – Warum ist diese Seligpreisung dann nicht stärker herausgehoben bei Matthäus und versteckt sich sozusagen unter all den anderen? – Der Erklärungsversuch von Lloyd-Jones dazu wirkt kompliziert und überzeugt mich nicht wirklich. Eine bessere Antwort habe ich aber auch nicht. Vielleicht findet sich dieser Vers darum eingereiht unter die anderen Seligpreisungen, weil man ihn eben doch nicht zu stark herausheben und ohne die anderen lesen und bedenken sollte. Genauer anschauen wollen wir ihn hier natürlich trotzdem:

Ein reines Herz

In Zeiten, die pandemiebedingt der Reinigung vermehrte Aufmerksamkeit schenken und dafür gleichsam neue Rituale entwickeln, ist es ratsam, auch einmal zu bedenken, was denn ein “reines Herz” bedeuten könnte. Es überrascht vermutlich unterdessen nicht mehr, wenn wir auch hier schnell Bezugspunkte zum Alten Testament, insbesondere den Psalmen, finden. Das Herz bezeichnet nach jüdischem Sprachgebrauch das Zentrum einer Person, den Ort, von dem das Wollen, Denken, Trachten und vielleicht auch Fühlen ausgehen2).

Dieses Zentrum, diese Quelle, aus der unser Leben strömt3), kann nun offensichtlich rein oder eben auch unrein sein. Rein, das heisst: lauter, aufrichtig, geradeaus, zuverlässig, und damit nicht verschlagen, sondern rechtschaffen handelnd4), in ungeteiltem Gehorsam gegenüber Gott ohne Sünde.5) Lloyd-Jones nennt auch noch Stichworte wie: Einfältigkeit (im Sinne einer lauteren, offenen Art), Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit im Denken, eine offenherzige Hingabe. Das reine Herz ist ungeteilt, kennt keine Heuchelei.6) Man könnte, etwas weniger abstrakt, auch kurz und bündig sagen: Reinen Herzens sein würde bedeuten, so zu leben, wie es Jesus selber getan hat.

Zur Illustration weiter ein paar konkrete Stellen aus den Psalmen:

Psalm 24, 3-4: “Wer darf hinaufziehen zum Berg des Herrn, wer an seine heilige Stätte treten? Wer reine Hände hat und ein lauteres Herz, wer nicht auf Nichtiges seinen Sinn richtet und nicht falsch schwört.” Da werden ein reines Herz und reine Hände unmittelbar parallel gesetzt. Es geht somit nicht einfach um eine edle Gesinnung, sondern um das damit verbundene konkrete Tun, das sich an den Weisungen Gottes orientiert. Ganz in diese Sinne bittet der Verfasser von Psalm 86, 11b: “Lass eines in meinem Herzen wichtig sein, dass ich deinem Namen mit Ehrfurcht begegne.” (Basisbibel).

Nun ist es aber bei nüchterner Betrachtung besehen doch so, dass das menschliche Herz eben nicht rein ist. Der Dichter des 51. Psalmes bittet deshalb, dass Gott seine Verfehlungen austilge und ihm das reine Herz schenke (Psalm 51, 11-12): “Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, und tilge alle meine Vergehen. Schaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.”  

Der Weg zu einem reinen Herzen geht demnach über die Bitte um Vergebung, die Bitte, dass Gott selber reinigend eingreife. Lloyd-Jones meint zugespitzt: “Wer sind die reinen Herzens? Im Wesentlichen jene, … die wegen der Unreinheit ihrer Herzen trauern.”7)

Aus biblischer Perspektive wird klar: Aus eigener Bemühung, bei aller frommen “Putzwut”, kriege ich mein Herz selber doch nicht rein. Da muss sozusagen das “himmlische Putzinstitut” in Aktion treten. Gott selber, durch seinen Geist, kann das Werk vollbringen. Dabei ist es aber nicht so, dass ich als Mensch bloss in der Zuschauerrolle bliebe. Es ist ein geheimnisvolles Ineinander, wie es prägnant in Philipper 2, 12-13 formuliert ist: “Wirkt nun weiterhin mit Furcht und Zittern auf eure eigene Rettung hin! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, zu seinem eigenen Wohlgefallen.”

Für den Reformator Martin Luther hiess das zum Beispiel: “Gott in den Elenden, Irrenden und Mühhseligen suchen”; “da schaut man Gott, da wird das Herz rein und aller Hochmut liegt darnieder.”8)

Gott schauen

Was soll man sich darunter vorstellen? War es nicht sogar einem Gott besonders nahestehenden Mann wie Mose verwehrt, ihn zu sehen? Lediglich Gott hinterher schauen wurde ihm gestattet, vgl. 2. Mose 33, 17-23. Auch im Neuen Testament finden sich Stellen, die bestätigen, dass man Gott nicht sehen kann, z.B. Johannes 1, 18; 6, 46; 1. Timotheus 6, 16. Trotzdem gab es im Judentum die Hoffnung, dass wir am Ende der Zeiten einmal Gott werden sehen können. Auch das Neue Testament vermittelt diese Hoffnung und Erwartung:

“Denn jetzt sehen wir alles in einem Spiegel, in rätselhafter Gestalt, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich auch ganz erkannt worden bin.” 1. Korinther 13, 12

“Ihr Lieben, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht zutage getreten, was wir sein werden. Wir wissen aber, dass wir, wenn es zutage tritt, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.” 1. Johannes 3, 2

“Sie werden sein Angesicht schauen, und auf ihrer Stirn wird sein Name stehen.” Offenbarung 22, 4

Wie man sich das vorzustellen hat, führt die Bibel nicht weiter aus. Wahrscheinlich wären die Mittel unserer Sprache auch zu begrenzt, um diesen Vorgang zu beschreiben. Es lässt sich nur schliessen, dass dieses Schauen mit einer ebenso unbeschreiblichen Freude verbunden sein muss. Alle Entfremdung von Gott muss dann überwunden sein, und die Rätsel unseres Lebens, die uns hier umtreiben, werden gelöst oder nicht mehr relevant sein.

  1. a.a.O., S.127 und S. 130 – Die ganze Auslegung zu diesem Vers ist übrigens sehr lesenswert.
  2. Vgl. Luz, a.a.O., S. 211; Wengst, a.a.O. S. 46
  3. Vgl. Lloyd-Jones, S. 131
  4. Wengst, a.a.O., S. 46f
  5. Luz, a.a.O., S. 211
  6. Lloyd-Jones, a.a.O., S. 133
  7. a.a.O., S. 129
  8. zitiert bei Luz, a.a.O. S. 212

Die Seligpreisungen V

Matthäus 5, 7

Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Es kann der zweite Satzteil auch übersetzt werden: “… sie werden Barmherzigkeit erlangen”, oder “… ihrer wird sich erbarmt werden”. Im Griechischen steht eine passive Formulierung, hinter der indirekt Gott als Subjekt steht. Auffällig bei dieser Seligpreisung ist, dass sich Vorder- und Nachsatz genau entsprechen, weil sie das gleiche Verb gebrauchen. Göttliches und menschliches Verhalten sollen sich entsprechen. Entsprechen tut diese Seligpreisung auch der voranstehenden, denn Barmherzigkeit ist nicht einfach ein “frommes Gefühl”, sondern sie zielt darauf ab, Gerechtigkeit zu fördern oder herzustellen.

Sucht man auch hier Anschlüsse an das Alte Testament, könnte man auf Spr. 14, 21 verweisen: “Wer seinem Nächsten Verachtung zeigt, sündigt; aber wohl dem, der sich über die Elenden erbarmt!” Aber auch im Matthäusevangelium ist Barmherzigkeit zentral. Zweimal, in Kapitel 9, 13 und 12, 7 wird Jesus zitiert, der wiederum mit einem Zitat aus Hosea 6, 6 den Vorrang des Erbarmens, vor den Opfern betont, vgl. auch Kapitel 23, 23: Die Opfervorschriften sollen durchaus beachtet werden, aber mehr noch das, was schwerer wiegt: Recht, Barmherzigkeit und Treue (Glauben).

Was ist denn aber konkret unter Barmherzigkeit, barmherzigem Verhalten, zu verstehen? – Lloyd-Jones definiert: “Im Wesentlichen bedeutet demnach Barmherzigkeit Erbarmen, gepaart mit dem Wunsch, einzugreifen.” Weiter: “Wir können Barmherzigkeit aber auch als innere Sympathie uns äusseres Handlen gegen die Not und das Leden anderer beschreiben.”1) Als Veranschaulichung führt der die biblische Mustergeschichte an, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 30-37). Da liegt ein Opfer von Gewalttätern verletzt am Boden, Menschen kommen vorbei, sehen ihn wohl, fühlen vielleicht auch Mitleid, aber unternehmen nichts. Einer aber erweist sich als barmherzig, versorgt den Verwundeten und bringt ihn an einen sicheren Ort und sorgt dafür, dass er weiter gepflegt werden kann. Weitere Werke der Barmherzigkeit schildert z.B. Matthäus 25, 34-36: Hungrige speisen, Fremdlinge aufnehmen, Bedürftige versorgen, Kranke pflegen, Gefangene betreuen – und es entsteht nicht der Eindruck, dass diese Liste abschliessend gemeint ist.

Die Formulierung in Matthäus 5, 7 an sich lässt offen, ob Gottes Erbarmen an erster Stelle steht und dann uns zur Barmherzigkeit bewegt, oder ob wir Barmherzigkeit üben sollen, um damit Gottes Erbarmen über uns zu bewirken. Wenn Lukas 6, 36 uns aber aufruft, barmherzig zu sein, wie unser himmlischer Vater barmherzig ist, so erscheint es logisch, dass Gottes Erbarmen am Anfang steht und wir, hineingenommen in sein Erbarmen, dieses weitergeben.

Aber zu welcher Zeit werden die Barmherzigen denn Barmherzigkeit erlangen? – Bisweilen wird der Nachsatz dieser Seligpreisung auf das Endgericht Gottes bezogen. Das ist sicher nicht falsch. Aber ich denke, dass sie auch ein wechselseitiges Geschehen in der Gegenwart anspricht. Wer sich einer Verfehlung bewusst wird, darf Gott um sein Erbarmen und seine Vergebung bitten – hier und jetzt – , soll dabei aber in gleicher Haltung seinen Mitmenschen begegnen, ebenfalls im Alltag. Man vergleiche dazu das Gleichnis vom Schalksknecht, Matthäus 18, 21-35, oder auch die Bitte im Unser-Vater. “…vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben…” oder das Jesusgebet oder Herzensgebet: “Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner.”

1)a.a.O. S. 120

Die Seligpreisungen IV

Matthäus 5, 6

Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden satt werden.

Die vierte Seligpreisung lässt nochmals die in den einleitenden Bemerkungen schon angeführte Frage aufkommen, in welchem Verhältnis die Seligpreisungen im Lukas- und Matthäusevangelium zu einander stehen. Bei Lukas lautet der entsprechende Satz nämlich: “Glücklich zu preisen seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden.” (Lukas 6, 21) Das führt zu der von Wengst exemplarisch entfalteten Vorstellung, wonach bei Lukas die ältere, ursprünglichere Version zu finden sei. Sie richte sich konkret an Menschen, die unter Mangel an Nahrung leiden. Matthäus habe diese Fassung “ethisiert”, das heisst, er habe beim Niederschreiben seines Evangeliums seine damalige Gemeinde vor Augen gehabt. Diese habe aus Menschen bestanden, die zwar in einfachen Verhältnissen lebten, aber nicht direkt an Hunger litten. Deshalb habe Matthäus die Seligpreisung interpretierend ergänzt: “Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten…”, was dann so zu verstehen sei, dass sie sich engagieren dafür, dass Hungernde satt werden. Diese Anpassung durch Matthäus sei nicht ein zu verurteilender Eingriff in den Text, sondern eine lobenswerte Aktualisierung desselben.1) Gerechtigkeit soll also gemäss dieser Interpretation nicht für sich selbst erwünscht, sondern für andere, Benachteiligte und ungerecht Behandelte, erstrebt werden. Wengst beruft sich dabei auf Traditionen des Almosengebens im Judentum, d.h. Liebeswerke, die auf die Herstellung sozialer Gerechtigkeit abzielen2).

Gerechtigkeit – das scheint auf jeden Fall ein Schlüsselbegriff in der Bergpredigt zu sein. In den Seligpreisungen taucht er in Vers 10 nochmals auf. Wie ist diese Gerechtigkeit aber zu verstehen? – Geht es dabei um ein menschliches Verhalten, eine praktizierte Tugend? Oder ist eher die uns von Gott geschenkte Gerechtigkeit, die uns von der Sünde frei macht, gedacht? – Etwas salopp (und auch vorschnell) formuliert, könnte man das erste als “katholische”, das zweite als “protestantische” Interpretation bezeichnen. Interessant ist allerdings, dass offenbar die meisten alten Kirchenväter und tendentiell auch die ersten Reformatoren diese Seligpreisung im Sinne der ersten Deutung verstanden haben. Erst die zweite Generation der Reformatoren hat die Gerechtigkeit eindeutig als von Gott geschenkte Gabe verstanden. Hungern und dürsten würde dann unsere Sehnsucht nach dieser Gabe bildlich umschreiben. Eine ausführliche und eindrückliche Auslegung auf dieser Linie findet sich bei D. Martyn Lloyd-Jones in seiner Predigt zur Stelle unter dem Titel “Gerechtigkeit und Segen”.3)

Versteht man hingegen die Gerechtigkeit im Sinne eines menschlichen Verhaltens, kann “hungern und dürsten” danach nicht mehr nur eine Sehnsucht umschreiben, sondern muss im Sinne von “sich mühen um” verstanden werden können. Luz weist nach, dass dies möglich ist und er schliesst sich deshalb der altkirchlichen Deutung an.4)  Ich folge ihm darin, denn Stellen wie die folgenden, legen ein aktives Verständnis dieser Gerechtigkeit nahe:
– Bei der Taufe sagt Jesus zum zögernden Johannes: “Lass es jetzt zu! Denn so gehört es sich; so sollen wir alles tun, was die Gerechtigkeit verlangt.” (Matthäus 3, 15)
– In der Bergpredigt, nach den Seligpreisungen, deklariert Jesus: “Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, werdet ihr nicht ins Himmelreich hineinkommen.” (Matthäus 5, 20) Die Ausführungen dazu, wie diese bessere Gerechtigkeit dann aussehen soll, folgen in den Abschnitten danach, die wiederum auf Verhaltensweisen abzielen.

Wichtig ist auch hier wieder der Bezug zum Alten Testament. Von dort her lässt sich prägnant festhalten: “Gerechtigkeit ist das von Gott in seinem Bund seinem Volk gebotene Verhalten”.5)

Susanne Schmid nimmt für das Verständnis dieser Art von Gerechtigkeit unseren Ausdruck “jemandem gerecht werden” zu Hilfe. Sie betont den Aspekt der Beziehung, der in diesem Verständnis von Gerechtigkeit enthalten ist. “Gerecht sein”, bedeutet demnach,  den Ansprüchen des jeweiligen Gemeinschaftsverhältnisses gerecht zu werden.

Ich denke nicht, dass damit ein Sehnen nach der von Gott geschenkten Gerechtigkeit durch Jesus Christus ausgeschlossen ist. Im Gegenteil: Das intensive Fragen nach einer gerechten Welt, das Erwarten der Vollendung der Erlösung, das Verlangen nach Veränderung, auch nach Heil und Heiligung des persönlichen Lebens, all das gehört ja auch zum Leben als Christenmensch. Aber ein nur passives Warten darauf würde nicht zu den Intentionen der Berpredigt passen.

Bei aller Bemühung um die zutreffende Interpretation des Anfanges dieser Seligpreisung soll der Nachsatz nicht vergessen werden: Dieses Mühen um und auch Sehnen nach Gerechtigkeit soll nicht vergeblich sein. Es trägt die Verheissung der Erfüllung in sich. Diese ist allerdings in der Zukunftsform gegeben. Und doch blitzt sie immer wieder auf, insbesondere da, wo Jesus diese Gerechtigkeit aufrichtet und seine Gemeinde in seiner Nachfolge sich daran orientiert.

Bleibt noch die zuerst erwähnte Frage nach dem, was Jesus gesagt und was Lukas oder Matthäus allenfalls daraus gemacht haben. Was ich persönlich nicht glaube: Dass Matthäus willkürlich und eigenmächtig Aussagen von Jesus in seinem Sinne verändert hat. Wenn die Bibel – was ebenfalls meinem Glauben entspricht – Gottes Wort an uns ist, dann hat sein Geist auch darüber gewacht, dass es uns seiner Absicht gemäss erreicht. Wenn man sich die Seligpreisungen als zusammenfassende Thesen aus Reden von Jesus vorstellt, dann könnte es sein, dass er – ganz modern – unterschiedliche “Milieus” mit unterschiedlichem Akzent angesprochen hat, die Bettelarmen anders als die, welche genug zum Leben hatten, und dass Lukas und Matthäus je einen anderen Schwerpunkt festgehalten haben. Mache ich es mir zu einfach damit? – Der Blog gibt Raum zur Reaktion!

1)Wengst, a.a.O., S. 35f      
2)a.a.O.. S. 45
3)Lloyd-Jones, a.a.O., S.89ff
4) Luz, a.a.O, S. 210f  
5) a.a.O, S. 211

Die Seligpreisungen III

Matthäus 5, 5

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen; denn sie werden die Erde als Besitz erhalten.

Das griechische Wort für “sanftmütig” kann auch mit “freundlich” oder “milde” übersetzt werden. Sanftmütig ist ein Ausdruck, der in unserem Sprachgebrauch fast nicht (mehr) vorkommt. Zu fragen wäre, ob das auch für die dahinter stehende Haltung oder Wesensart gilt. Wie können wir sie genauer beschreiben? – Um ihr näher auf die Spur zu kommen, ist es auch hier hilfreich, die Bezugspunkte zum Alten Testament beizuziehen. Da wäre vor allem Psalm 37, 11 zu nennen, an den direkt angespielt ist: “Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden ihre Lust haben an Fülle von Heil”. So übersetzt die Elberfelder Bibel und verwendet denselben deutschen Begriff wie die oben zitierte Übersetzung der dritten Seligpreisung. Anders jedoch Luther an der gleichen Stelle:“die Elenden”, Zürcher: “die Gebeugten” oder die Gute Nachricht Bibel: “die Armen”. Daraus lässt sich schon schliessen, dass der hebräische Begriff in Psalm 37, 11 vermutlich nicht einfach eine Haltung grosszügiger, gönnerhafter Milde bezeichnet. Und tatsächlich geht es im ganzen Psalm 37 um die Armen, Elenden, Gebeugten, aber auch Gerechten, Getreuen, Aufrichtigen und Friedfertigen, die durchgängig im Gegensatz zu den Frevlern, Abtrünnigen und Gewalttätigen stehen.

Eine zusätzliche Hilfe für das Verständnis dieser Sanftmut sind zwei weitere Vorkommen bei Matthäus, an denen der Begriff auf Jesus selbst bezogen wird. Zuerst die bekannte Stelle aus Matthäus 11,29: “Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig” (Luther). “Sanftmütig” gehört also in die Nähe von “demütig”. Das unterstreicht auch Matthäus 21, 5, wiederum ein Zitat aus dem Alten Testament, im Zusammenhang mit dem Einzug von Jesus in Jerusalem. Da reitet er nicht auf einem prunkvoll herausgeputzten edlen Pferd, auch nicht auf einem eingerüsteten Schlachtross, sondern auf einem Esel in die Stadt ein als Ausdruck seiner Gewaltlosigkeit, seiner Demut und seiner Sendung als Friedenskönig.

Somit können wir unter den “Sanftmütigen” in Matthäus 5,5  Menschen verstehen, die demütig sind, sich dazu freundlich zeigen, oder wie die Gute Nachricht Bibel konkreter umschreibt: “…die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten” also “nicht die sich huldvoll herablassenden Großen, sondern die ohnmächtigen Kleinen: die nicht verbittern”. 1)

Den in dieser Art Sanftmütigen wird verheissen, dass sie “das Land erben” (Zürcher; Elberfelder) oder “die Erde besitzen” werden (diverse andere Übersetzungen). Was gilt nun, Land oder Erde? – Sicher knüpft dieser Nachsatz an die traditionelle Landverheissung für Israel an und hatte für die damals in diesem Land durch die römischen Besatzer Unterdrückten einen besonders hoffnungsvollen Klang. Aber ich denke, diese Landverheissung wird hier “überstiegen”. Das griechische Wort, das verwendet wird, kann sowohl “Land” wie “Erde” bedeuten. In Matthäus 28, 18, am Schluss des Evangeliums, sagt der auferstandene Jesus Christus: “Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden”, d.h. im Blick ist bei ihm nicht mehr nur ein begrenztes Land Israel, sondern die ganze Erde, die neu werden soll. Somit sehe ich die Verheissung dieser Seligpreisung weder nur auf eine begrenzte Gegend, aber auch nicht einfach auf ein jenseitiges Paradies bezogen. Sie hat einen Bezug zu dieser Erde.

Interessant sind dazu die Ausführungen von D. Martyn Lloyd-Jones in seiner Predigt zur dritten Seligpreisung. Er versteht dieses “Land erben” doppelt. Einerseits auf die Gegenwart bezogen, so, dass wahrhaft sanftmütige Menschen immer auch befriedigte, zufriedene Menschen sind und in gewisser Weise diese Erde besitzen, nämlich gemäss der Charakterisierung durch den Apostel Paulus “… als die nichts haben und doch alles haben” (2. Korinther 6, 10). Oder im Sinne von 1. Korinther 3, 21-23: “So rühme sich denn niemand (im Blick auf) Menschen, denn alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges; alles ist euer,ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.” (Elberfelder Bibel). Daneben sieht Lloyd-Jones in dieser Seligpreisung eine zukünftige Dimension. Sie orientiert sich an der Verheissung, dass Christen als “Kinder Gottes” auch Erben sind. (vgl. z.B. Römer 8, 16-17).2)

1) Wengst, a.a.O., S. 43
2)D. Martyn Lloyd-Jones, Bergpredigt. Ich aber sage euch…, Predigten über Matthäus 5, 3-48; Friedberg, 2002; S. 86f